Erfurt (SID) - Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Fußballs in der ehemaligen DDR begonnen. Mehrere Forscher aus Berlin und Münster beschäftigen sich seit dem 1. Juli mit der Klubhistorie sowie der Kultur- und Alltagsgeschichte des DDR-Fußballs. Eine entsprechende Meldung des MDR bestätigte die Zentrale des DFB in Frankfurt.

Demnach werden insgesamt 282.000 Euro für das Projekt aufgewendet. Die Laufzeit beträgt zwei Jahre. Zuletzt hinzugekommen sei ein polnischer Wissenschaftler, der die Fanszenen in einigen ehemaligen sozialistischen Staaten vergleichend erforschen wird. Im März 2011 hatte der DFB eine eigene Aufarbeitung des DDR-Fußballs angekündigt.

"Matthias Sammer, Ulf Kirsten, Thomas Doll ? nur einige Namen, die zeigen, dass der deutsche Fußball durch die Wiedervereinigung 1989 phasenweise einen starken Zugewinn erlebt hat. Aktuell sind die neuen Bundesländer mit Toni Kroos aus Greifswald in der Nationalmannschaft vertreten. Mit dem Projekt wollen wir eine Forschungslücke schließen. Wir sind gespannt auf die Erkenntnisse der Historiker, die sicher auch über den Fußball hinaus Interesse auslösen werden", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Auch der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, begrüßte die Studie. Dem MDR Thüringen sagte Jahn, es gelte, "gerade auch im Sport Lehren zu ziehen aus der Verquickung von Sport und Politik, die für die Fans oft nicht mal zu erkennen war". Jahn sagte weiter: "Sich nun mit Abstand Tabuthemen wie Stasi, Doping und auch Ausgrenzung von Sportlern aus politischen Gründen zu widmen", sei "sicherlich nicht einfach".