Mexiko-Stadt (dpa) - Auf dem Papier ist es um das globale Wachstum nicht schlecht bestellt. Doch hinter den Daten lauern viele Gefahren für neue Wirtschaftskrisen, warnt der IWF in seiner neuer Prognose. Ein übereiltes Ende von Konjunkturhilfen könne schwere Folgen haben.

Konjunktursorgen der Wirtschaftsmächte USA und China sowie die Krise in der Ukraine haben laut IWF das weltweite Wachstum gedrosselt. Nach einem schwachen Auftakt könne in diesem Jahr nur noch mit einem Plus von 3,4 Prozent gerechnet werden, teilte der Internationale Währungsfonds am Donnerstag in Mexiko-Stadt mit. Damit fällt die Prognose um 0,3 Prozentpunkte geringer aus als noch im April.

"Die Weltwirtschaft erholt sich weiter, aber es geht nur langsam voran", sagte IWF-Chefökonom Olivier Blanchard. "Die Senkung der Prognose sieht aber schlimmer aus als es ist. Größtenteils ist sie auf Entwicklungen in der Vergangenheit zurückzuführen." Für 2015 hält der IWF trotz zunehmender internationaler Krisen an der Schätzung fest, dass die Weltwirtschaft um 4 Prozent zulegen wird.

Sehr zufrieden zeigen sich die IWF-Volkswirte mit der Situation in Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Bundesrepublik werde dieses Jahr um 1,9 Prozent zunehmen und damit 0,2 Prozentpunkte mehr als bislang berechnet. Auch 2015 liege das Wachstum leicht besser bei 1,7 Prozent.

Für die Eurozone ermittelte der IWF unverändert ein Plus von 1,1 Prozent in diesem Jahr. "Diese Zahl verschleiert allerdings die Unterschiede zwischen den Ländern. Während Deutschland und Spanien zulegen, mussten wir den Ausblick für Frankreich und Italien senken", sagte Blanchard. Im kommenden Jahr wachse das BIP im Euroraum um 1,5 Prozent statt wie bisher angenommen um 1,4 Prozent. Sehr positiv äußert sich der Fonds über Großbritannien und Japan.

Die jüngste Schwäche vor allem in den USA, in China sowie den Entwicklungs- und Schwellenländern sei wohl nur vorübergehend gewesen, so der IWF. "Frühindikatoren zeigen, dass die globale Erholung im zweiten Quartal 2014 wieder an Stärke zugenommen hat", heißt es in dem aktualisierten Weltwirtschaftsausblick. Schwierig bleibe die Lage aber für Russland, das sehr unter der Verwicklung in der Ukraine-Krise leide. Schwellenländer wie Brasilien, Mexiko oder Südafrika kämpften ebenfalls mit schrumpfender Wirtschaftsleistung.

Deutlicher als noch im April warnt der IWF vor geopolitischen Gefahren. Die instabile Situation in Nahost und die Lage in der Ukraine könnte zu einem rasanten Anstieg der Ölpreise führen. Besonders warnt der IWF die Zentralbanken, allen voran die amerikanische Federal Reserve, vor überhasteten Zinserhöhungen. "Die Geldpolitik sollte in allen wichtigen großen Volkswirtschaften locker bleiben", selbst wenn die Inflation zunehme und die Wirtschaftsdaten nach oben zeigten, mahnt der IWF. Die Gefahren von Finanzblasen sollten durch eine straffere Finanzregulierung verringert werden.

Erstmals nutzte der IWF für seinen Bericht eine neuberechnete Kaufkraft. Bei der sogenannten Kaufkraftparität werden die Lebenshaltungskosten berücksichtigt, um festzustellen, was die Menschen in einzelnen Ländern sich tatsächlich leisten können. Dadurch hätten sich rückwirkend die Konjunkturdaten für die Entwicklungs- und Schwellenländer verbessert, wo die Kaufkraft größer sei als bisher angenommen. So habe das globale Wachstum 2012 tatsächlich 3,5 statt 3,2 Prozent betragen. 2013 sei es mit 3,2 Prozent ebenfalls höher ausgefallen - bislang war es mit 3,0 Prozent berechnet worden.

IWF-Weltwirtschaftsausblick von April 2014