Kiew (dpa) - Als "politischen Selbstmord" hat Arseni Jazenjuk (40) das Amt des ukrainischen Ministerpräsidenten einst bezeichnet - angesichts leerer Staatskassen und eines bewaffneten Konflikts mit Separatisten.

"Diese Regierung steht vor einer ungeheuerlichen Herausforderung: Sie soll nichts Geringeres als das Land retten", sagte der prowestliche Politiker. Nun hat Jazenjuk seinen Rücktritt erklärt, um Neuwahlen zu ermöglichen. Seiner Vaterlandspartei droht dabei eine Zerreißprobe, zwischen dem Flügel um Jazenjuk und den Unterstützern der ehemaligen Regierungschefin Julia Timoschenko.

Mit großem Reformeifer hatte der Professorensohn Ende Februar 2014 das Amt angetreten. Der Westen setzte große Hoffnungen in ihn. "Ich glaube, dass Jaz der Typ ist, der ökonomische Erfahrung mitbringt", sagte die US-Spitzendiplomatin Victoria Nuland. Doch EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) knüpften ihre Milliardenhilfen an schmerzhafte Reformen, die die Popularitätswerte der Regierung in den Keller trieben. Das betraf auch Jazenjuk, der eine nicht unumstrittene Galionsfigur der Proteste auf dem Kiewer Maidan neben dem früheren Boxweltmeister Vitali Klitschko war.

"Die Ukraine braucht unbedingt einen Marshall-Plan und kein Kriegsrecht, um die politische und wirtschaftliche Situation zu stabilisieren", betont der perfekt Englisch sprechende Vater zweier Töchter. Je tiefer aber das Land im erbitterten Konflikt mit prorussischen Aufständischen versank, desto schwieriger wurde die Regierungsarbeit. Kritiker warfen ihm zuletzt eine dürftige Bilanz vor - einzig ein neues Bildungsgesetz sei gelungen. Der IWF zeigte sich aber zufrieden mit den Sparmaßnahmen.