Phoenix (dpa) - Bei einer erneuten Hinrichtungspanne in den USA ist ein Doppelmörder im Bundesstaat Arizona nach fast zweistündigem Todeskampf qualvoll gestorben. Etwa eine Stunde nach der tödlichen Giftspritze habe der 55 Jahre alte Joseph Wood noch geschnaubt und nach Luft geschnappt.

Das schrieben seine Verteidiger in einem Eilantrag an ein Gericht, um die Hinrichtung noch zu stoppen. Wood starb erst rund zwei Stunden, nachdem ihm der Gift-Cocktail verabreicht wurde, wie die "Washington Post" berichtete. Der Mix war in Arizona zuvor noch nie verwendet worden.

Erst Anfang Mai war es im Bundesstaat Oklahoma zu einer schweren Panne gekommen, als einem 38-Jährigen beim Spritzen eines Gifts eine Vene geplatzt war. Der Verurteilte verzerrte das Gesicht, wälzte sich umher und schnappte nach Luft, ohne bewusstlos zu werden. Erst 43 Minuten später setzte nach einem Herzinfarkt der Tod ein, nachdem Aufseher die Hinrichtung bereits gestoppt hatten. Eine Untersuchung ergab später, dass die Spritze nicht korrekt gesetzt worden war.

Wood war 1991 für die Tötung seiner Ex-Freundin und ihres Vaters zum Tode verurteilt worden.

Der in Arizona verwendete Mix aus dem Schmerzmittel Hydromorphon und dem Medikament Midazolam, mit dem Patienten vor Operationen beruhigt werden, war in den USA erstmals im Januar eingesetzt worden. Schon damals kam es zu Problemen: Bei der Hinrichtung im Staat Ohio röchelte ein Todeskandidat und starb erst nach rund 25 Minuten.

Die USA haben zunehmend Probleme, die benötigten tödlichen Substanzen zu beschaffen - und greifen deshalb zu nicht zugelassenen oder ausreichend getesteten Stoffen. Das lang verwendete Narkosemittel Natrium-Thiopental ist kaum mehr erhältlich, weil EU-Firmen es aus Menschenrechtsgründen nicht mehr in die USA liefern dürfen.

Seit 2011 beschränkt die EU die Ausfuhr von Arzneistoffen, die in höherer Dosierung auch für Hinrichtungen verwendet werden können. Auch Pentobarbital, das zum Einschläfern von Tieren eingesetzt wird, ist deshalb zur Mangelware geworden. Vietnam kündigte bereits an, das Gift für Todesspritzen künftig selbst herzustellen.

Die Bürgerrechtsorganisation ACLU bezeichnete die Hinrichtung in Arizona als Verstoß gegen die amerikanische Verfassung, bei der Wood eine "grausame und ungewöhnliche Strafe" erhalten habe. "Arizona hat die dringenden und klaren Warnungen der vermasselten Hinrichtungen in Oklahoma und Ohio ignoriert", teilte die ACLU mit. Nach Zählungen des Death Penalty Information Center gab es seit 1976 bei mindestens 44 Hinrichtungen ernsthafte Probleme.

"Ich habe noch nie eine Hinrichtung gesehen, die so lange dauert", sagte Woods Verteidiger Dale Baich dem TV-Sender NBC. "Der Staat Arizona hat heute ein gescheitertes Experiment durchgeführt. Es war schrecklich anzusehen."

Augenzeugen hätten schon wenige Minuten nach der Spritze sehen können, dass etwas nicht stimmte. Wood schnappte demnach mehr als 600 Mal nach Luft. Ein Augenzeuge verglich die Szene mit einem Fisch, der aus dem Wasser geholt wird. Arizonas Gouverneurin Jan Brewer kündigte eine Untersuchung an, erklärte aber zugleich, Wood sei "auf rechtmäßige Weise" gestorben.

Insgesamt sehen 32 der 50 US-Bundesstaaten die Möglichkeit vor, Menschen zum Tode zu verurteilen und hinzurichten. Die Giftspritze ist die am häufigsten verwendete Methode. Daneben sind in einigen Staaten auch Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl, in Gaskammern (Arizona, Missouri, Wyoming) oder durch Erhängen (Delaware, New Hampshire, Westküstenstaat Washington) erlaubt. Die 18 Staaten, in denen die Todesstrafe abgeschafft wurde, liegen vor allem im hohen Norden und Nordosten der USA.

Eilantrag der Verteidiger

Death Penalty Information Center

Übersicht der Washington Post

Mitteilung Jan Brewer

Mitteilung ACLU