Köln (SID) - Nach dem historischen Debakel bei den Kanu-Weltmeisterschaften in Moskau hat der 13-malige Weltmeister Ronald Rauhe den Verband in die Pflicht genommen. "Man muss vielleicht über seinen eigenen Schatten springen und die alten Tugenden, die uns Erfolg gebracht haben, überdenken. Man muss vielleicht moderner denken und den Mut haben, Neues auszuprobieren", sagte Athen-Olympiasieger Rauhe der ARD.

Der erfolgsverwöhnte Deutsche Kanu-Verband (DKV) war in der russischen Hauptstadt deutlich hinter den selbst gesteckten Zielen geblieben und hatte in den zwölf olympischen Klassen lediglich eine Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille gewonnen. Es war das schlechteste Abschneiden seit der Wiedervereinigung.

Der DKV kündigte eine umfangreiche Analyse des enttäuschenden Ergebnisses an. Man müsse in aller Ruhe und ohne Hektik analysieren, wo Fehler gemacht worden seien, sagte Verbandspräsident Thomas Konietzko.

Bei den Weltmeisterschaften 2015 in Mailand geht es um die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio. "Im nächsten Jahr müssen wir uns voll auf die WM konzentrieren, weil es um die Quotenplätze für Olympia geht. Es ist nicht aussichts- und hoffnungslos", sagte Cheftrainer Reiner Kießler.

Bei den Titelkämpfen in Moskau hat sich gezeigt, dass andere Nationen weiter aufgeholt haben und die Weltspitze enger zusammengerückt ist. Zudem hatte der DKV seinen Athleten in dieser Saison einige Freiräume für ihre berufliche Ausbildung eingeräumt. Canadier-Olympiasieger Sebastian Brendel (Potsdam) sorgte über 1000 m für den einzigen Titel in den wichtigen olympischen Klassen. Rauhe (Potsdam) gewann mit Tom Liebscher (Dresden) im Kajak-Zweier Silber über die 200 m, zudem gab es Bronze durch Yul Oeltze/Ronald Verch (Magdeburg/Potsdam) im C2 über den Kilometer.