Berlin (dpa) - Bei deutschen Handwerksbetrieben drohen mangels geeigneter Bewerber mehr als 15 000 Ausbildungsplätze bis zum Jahresende unbesetzt zu bleiben. Davor warnte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH).

Die IG Metall forderte die Betriebe im Gegenzug auf, ihre Attraktivität für junge Leute zu steigern. Wenige Tage nach Beginn des neuen Lehrjahres am 1. September sind noch tausende Lehrstellen im Handwerk frei. Für 24 000 Lehrstellen konnten die Betriebe bislang keine geeigneten Bewerber finden, berichtete die "Bild"-Zeitung (Mittwoch). Damit gebe es 3000 mehr freie Stellen als vor einem Jahr. Bis Ende August wurden demnach im Handwerk für das neue Ausbildungsjahr rund 109 000 Lehrverträge abgeschlossen, ein Minus von 3,2 Prozent gegenüber 2013.

Die IG Metall machte darauf aufmerksam, dass bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) aktuell noch 102 427 unversorgte Bewerber und Bewerberinnen registriert sind. Im letzten Jahr konnten demnach 83 000 Jugendliche, die eine Ausbildung gesucht haben und laut BA geeignet sind, nicht auf einen Ausbildungsplatz vermittelt werden.

ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer forderte in der "Bild" eine bessere Vermittlung ein gemeinsames Engagement aller Beteiligten. Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften müssten gemeinsam Lösungen finden.

Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, sieht nicht zuletzt die Betriebe gefordert. "Dafür müssen die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten, die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung stimmen", sagte er der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Er fordert zudem die Handwerksbetriebe auf, ihre Ansprüche an die Bewerber zu überprüfen und auch Jugendliche mit Förderbedarf in das Auswahlverfahren einzubeziehen. Laut Wollseifer werben viele Betriebe bereits unter anderem mit Praktika und Karriereberatung um Bewerber.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Eric Schweitzer, hatte bereits vor wachsenden Lücken gewarnt. Die Zahl der Schulabgänger habe in diesem Jahr um 53 000 unter dem Vorjahresstand gelegen. Gleichzeitig sei der Run auf die Hochschulen ungebrochen.

An diesem Donnerstag soll die Lebenssituation der Auszubildenden mit der Vorlage des Ausbildungsreports 2014 vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) beleuchtet werden.

DIHK-Mitteilung

Interview mit Wollseifer