Moskau/Paris (dpa) - Russland rechnet weiter mit der von Frankreich ausgesetzten Lieferung eines Hubschrauberträgers der Mistral-Klasse.

"Wir haben keine Nachricht erhalten, dass der Vertrag nicht mehr gelten sollte", sagte Oleg Botschkarjow von der militärischen Regierungskommission in Moskau. Unterdessen wird die Entscheidung der Pariser Regierung in Frankreich kritisiert.

Die Ausbildung von 400 russischen Matrosen, die später auf dem Schiff arbeiten sollen, gehe in Frankreich normal weiter. "Man muss in aller Ruhe weiterarbeiten, bis die Atmosphäre (in der Ukrainekrise) sich ändert", sagte Botschkarjow der Agentur Interfax zufolge. Er rechne nicht mit einem völligen Stopp der Lieferung.

"Wem will Frankreich ein Schiff verkaufen, dass nach russischen Anforderungen gebaut wurde? Seinen Nato-Partnern sicher nicht", sagte der Experte der Regierung in Moskau.

Sollte die französische Führung dennoch den Vertrag annullieren, seien die vereinbarten Strafzahlungen wohl unausweichlich. Russische Medien nannten zuletzt eine mögliche Gesamtsumme von bis zu drei Milliarden Euro. Für die russische Marine wäre ein völliger Stopp der Lieferung "nicht kritisch", sagte Botschkarjow.

Von Gewerkschaftsseite und von der rechtsextremen Front National (FN) wurde die Entscheidung der Regierung attackiert. FN-Chefin Marine Le Pen sprach in einem RTL-Interview von einem schwerwiegenden Schritt, der die Unterwerfung unter die amerikanische Diplomatie enthülle. Ein ebenfalls dem rechtsextremen Lager zugeordnetes Bürgerkomitee rief zu einer Demonstration gegen die Entscheidung am Sonntag an der Werft in Saint-Nazaire auf.

"Konsterniert und entrüstet" nahm die Gewerkschaft FO (Force Ouvrière) die Nachricht auf. In Saint-Nazaire ist der erste von zwei Hubschrauberträgern für Moskau inzwischen fast fertiggebaut.

Die Ukraine begrüßte den Schritt der Regierung in Paris. "Ich danke der französischen Führung für ihre verantwortungsvolle Entscheidung. Sie ist wichtig für den Erhalt des Friedens in Europa", schrieb Außenminister Pawel Klimkin bei Twitter. Ähnlich äußerte sich der litauische Verteidigungsminister Juozas Olekas. "Die Modernisierung der russischen Militärkapazitäten und mögliche Erpressung oder Aggression gegen unsere Verbündeten und Partner hätte zweifellos Auswirkungen auf Litauens Sicherheit", sagte Olekas der Agentur BNS.

Nach Kritik westlicher Partner hatte Frankreich mitgeteilt, den für Russland gebauten Hubschrauberträger vorerst doch nicht auszuliefern. Er sollte im Oktober Russland übergeben werden. Der Vertrag von 2011 zwischen Paris und Moskau sieht den Bau von zwei Hubschrauberträgern der Mistral-Klasse im Auftragswert von etwa 1,2 Milliarden Euro vor.