Görlitz (dpa) - Welteroberung im Schneckentempo: Die Mittelmeer- Ackerschnecke (Deroceras invadens) ist weiter auf dem Vormarsch. Wissenschaftler konnten die Tiere jetzt erstmals in Mexiko, Costa Rica und Ecuador nachweisen.

Dies teilte das Görlitzer Senckenberg-Forschungsinstitut mit. Das Weichtier besiedelt weite Teile Europas, Australiens sowie Nord- und Südamerikas. Allerdings scheint es in extrem kalten und heißen Gebieten an seine Grenzen zu stoßen.

Mittelmeer-Ackerschnecken gelten als Agrarschädlinge und haben zu wenige Fressfeinde, was ihre Ausbreitung erleichtert. Sie sind etwa drei Zentimeter lang und damit kleiner als Spanische Wegschnecken, die vor allem Gartenfreunde stören. Über ihre Untersuchungen berichteten die Senckenberg-Forscher kürzlich im Journal "NeoBiota".

Nach Angaben von Senckenberg kam die Schnecke in den 1970er Jahren vermutlich mit Gemüselieferungen aus Italien nach Deutschland. Im Osten wurde sie erstmals ein Jahr nach dem Mauerfall gesichtet. "Man findet sie meistens in Gärten oder unter herumliegendem Müll, aber auch in Gewächshäusern und in der freien Natur. Eingeschleppt werden sie beispielsweise über den Import von Gemüse, Gartenzubehör oder Fliesen", erklärte Heike Reise, Konservatorin in der Sektion Malakologie am Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz.

Die Wissenschaftler aus Görlitz gehen davon aus, dass die kleinen Schnecken ihre Besiedlung fortsetzen: "Grundsätzlich kommen für die Tiere alle Gebiete mit einem gemäßigten Klima infrage", sagte John M.C. Hutchinson.

Warum sich die Tiere bisher nicht nach Osteuropa ausgedehnt haben, erklärt der Forscher so: "Wir vermuten, dass die kalten Winter in den östlichen Ländern und das trockene, heiße Klima in Zentralspanien oder Teilen Australiens, Afrikas und Asiens die Besiedlung der Schnecken erschwert." Allerdings habe eine Population in Polen mehrere Winter mit Temperaturen von minus 22 Grad überlebt.

Senckenberg Museum Görlitz