Düsseldorf (SID) - Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) erntet für seine Entscheidung im Fall des Paralympics-Siegers Markus Rehm Kritik aus der Politik. "Die Entscheidung bringt dem DLV in Sachen Inklusion im Spitzensport nur einen Zeitgewinn. Sie ist mit Sicherheit nicht die Lösung", sagte Rainer Bischoff, sportpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag Nordrhein-Westfalen.

Der unterschenkelamputierte Rehm (26) darf seinen deutschen Meistertitel im Weitsprung der Nicht-Behinderten behalten. Für die Zukunft entschied der DLV allerdings, Sportlerinnen und Sportler mit und ohne Behinderung ab 1. Januar 2015 zwar gemeinsam starten zu lassen, aber getrennt zu werten.

"Ich verstehe die Schwierigkeit des DLV ja, aber die Entscheidung ist natürlich absurd. Es ist doch völlig klar, dass der nächste Sportler mit Behinderung mit entsprechender Leistung vor Gericht klagen wird, als deutscher Meister mit und ohne Behinderung anerkannt zu werden", sagte Bischoff: "Und mein Rechtsempfinden sagt mir: Er wird diese Klage gewinnen."

Am ersten Plenartag des Landtages solle nun "ein gemeinsamer Antrag aller Fraktionen zum Thema Inklusion im Sport eingebracht" werden, um "die Diskussionen in der Sportfamilie in dieser Thematik" zu verstärken: "Der Fall Rehm zeigt, wie dringend notwendig dies ist. Wir brauchen Lösungen und kein Aufschieben auf die lange Bank."

Der Streit um die Wertung von Rehms DM-Titel war durch die Schwierigkeit ausgelöst worden, die Leistungen von Sportlern mit und ohne Prothesen zu vergleichen. Nach Prüfung aller Unterlagen sei es letztlich nicht zweifelsfrei beweisbar gewesen, dass Rehm durch seine Prothese gegenüber seinen Mitkonkurrenten einen Vorteil gehabt habe, teilte der DLV am Montag mit. Der Athlet von Bayer Leverkusen hatte sich in Ulm mit 8,24 m vor dem mittlerweile zurückgetretenen Ex-Europameister Christian Reif (8,20) durchgesetzt.