London (SID) - Auch sechs Monate nach den durch die katarische Regierung angekündigten deutlichen Verbesserungen für Gastarbeiter sind die Bedingungen für Fremdarbeiter im Austragungsland der Fußball-WM 2022 nahezu unverändert schlecht. Dies geht aus einem neuen Bericht der unabhängigen Menschenrechtsorganisation Amnesty International hervor.

"Nur einige wenige der im Mai angekündigten Maßnahmen sind bislang umgesetzt worden. Insgesamt sind die unternommenen Schritte unzureichend", sagte Sherif Elsayed-Ali, Leiter der Abteilung Flüchtlings- und Migrantenrechte bei Amnesty: "Es besteht dringender Handlungsbedarf, damit wir kein auf Zwangsarbeit und Ausbeutung aufgebautes WM-Turnier erleben."

Der Wüstenstaat habe zwar umfassende Reformen angekündigt, sie aber nur unzureichend in die Tat umgesetzt. "Bislang gab es nicht viel mehr als das Versprechen, die Bedingungen zu verbessern", sagte Elsayed-Ali, der bemängelte, dass die Regierung "die Füße vor den wirklich wichtigen Veränderungen einzieht."

Dies betreffe insbesondere den Punkt, dass Gastarbeiter weiterhin nicht ohne Erlaubnis ihres Arbeitgebers das Land verlassen dürfen, da ihre Pässe einbehalten werden. Die Organisation forderte den Wüstenstaat erneut zum Handeln auf, da Katar andernfalls "die Glaubwürdigkeit aufs Spiel" setze.

Der Amnesty-Bericht bestätigte damit die Kritik der Vorsitzenden des EU-Menschenrechtsausschusses, Barbara Lochbihler, die bereits Ende Oktober in einem Brief an den FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter die Bedingungen im WM-Gastgeberland bemängelt und dem Weltverband mangelndes Verantwortungsbewusstsein vorgeworfen hatte.

"Bei meinem Besuch in dem Golfstaat vor einigen Monaten kündigte man mir noch weitreichende Reformen an", teilte Lochbihler in einem neuerlichen Statement am Dienstagabend mit: "Wie der jüngste Bericht von Amnesty International erneut bestätigt, ist rein gar nichts geschehen."

Auch für die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth waren die neuen Ergebnisse wenig überraschend. Der aktuelle Amnesty-Bericht zeige einmal mehr, dass die Ankündigungen Katars zur Verbesserungen der Arbeitsbedingungen für ausländische Arbeitskräfte "offenbar wenig ernst gemeint waren". Roth stellte fest: "Menschenrechte spielen nach wie vor keine Rolle."

Die Grünen-Politikerin übte harsche Kritik an der FIFA, die ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden sei und nicht auf Besserungen gedrängt habe. "Es passt ins Bild, dass hier offenbar auf Biegen und Brechen ein Turnier durchgesetzt werden soll, in dessen Vorfeld elementare Rechtsstandards auf eklatante Art und Weise verletzt werden", teilte sie mit.

Es sei zudem bezeichnend, dass der Weltverband sich bis heute weigere, den Untersuchungsbericht über die WM-Vergaben an Russland und Katar freizugeben, sagt Roth. Sie forderte die FIFA dazu auf, die Notbremse zu ziehen und das Turnier neu zu vergeben.