München (dpa) - Der mutmaßliche Erpresser von Uli Hoeneß (62) hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der 51 Jahre alte Mann gab vor dem Landgericht München II zu, den Ex-Präsidenten des FC Bayern München als "Mister X" mit einem Drohbrief erpresst zu haben.

DER BRIEF VON "MISTER X": "Nun ist es langsam so weit", beginnt das Schreiben, das der Vorsitzende Richter Oliver Ottmann vorlas. Der Brief traf am 10. Mai kurz vor Hoeneß' Haftantritt wegen Steuerhinterziehung in dessen Anwesen am Tegernsee ein. "Dieser Abschnitt in Ihrem Leben wird sicher nicht leicht", droht "Mister X". Die Erfahrungen im Gefängnis würden dazu führen, dass "Ihr Ego, Ihre Persönlichkeit regelrecht gebrochen" werden.

Nach langer Vorrede kommt der Erpresser zum Punkt: "Es fällt Ihnen mit Sicherheit nicht schwer, sich von einem Betrag von 215 000 Euro zu trennen", schreibt er. "Sollte es nicht dazu kommen, können Sie versichert sein, dass Ihre Haftzeit kein Zuckerschlecken wird." Der Verfasser betont, er habe Kontakte und droht mit einem "unruhigen Haftverlauf". "Ich weiß, es klingt böse. Ist aber so." "Mister X" schließt: "Ich wünsche Ihnen und uns alles Gutes. Möge dieses Scheißgeschäft so ruhig wie möglich über die Bühne gehen."

DIE FESTNAHME: Hoeneß' Frau Susanne brachte den Brief sofort zur Polizei. Diese organisierte die fingierte Geldübergabe im Münchner Stadtteil Sendling. Dafür stellte der FC Bayern ein Dienstfahrzeug zur Verfügung, mit dem eine Plastiktüte zum vereinbarten Übergabeort - einem Mülleimer neben einer Bushaltestelle - gebracht wurde. Bei der Festnahme am 10. Mai fiel der mutmaßliche Erpresser vom Fahrrad und brach sich das Schlüsselbein.

DER ANGEKLAGTE: Der 51-Jährige geriet schon früh mit dem Gesetz in Konflikt und saß seit 1984 immer wieder wegen Betrugs, Unterschlagung, Raub, Diebstahl oder Fahrerflucht in verschiedenen Gefängnissen. Erst 2011 wurde er zuletzt aus der Haft entlassen. Seither lebte er mit seiner Lebensgefährtin in München. Er hat zwei Kinder aus einer früheren Beziehung, zu denen er keinen Kontakt hat

MOTIV: Der Angeklagte Thomas S. hatte Geldsorgen - nach eigenen Angaben rund 340 000 Euro. Der hoch verschuldete 51-Jährige hatte auf den Namen seiner Lebensgefährtin ein Lotto-Geschäft in München eröffnet, das er im Februar schließen musste. Er konnte sich nicht einmal eine Krankenversicherung leisten - obwohl er Diabetes-Patient ist. Inzwischen sei auch seine Freundin mit 150 000 Euro verschuldet und habe Insolvenz anmelden müssen.

GESTÄNDNIS: "Ich befand mich damals in einer absolut verzweifelten Situation", gab der Mann in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung an. "Die Schulden häuften sich, es kam zu Pfändungen bei meiner Lebensgefährtin." Als er von dem Urteil gegen Hoeneß erfuhr, erschienen ihm die drei Jahre und sechs Monate wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe im Vergleich zu seiner eigenen Haftstrafe "ungeheuer", wie er sagte. "Die Idee kam spontan, ausgelöst durch meine völlig desolate Lage." Er habe gar nicht damit gerechnet, die Summe auch wirklich zu bekommen. "Es war wie die Abgabe eines Lottoscheins."

DAS SAGT HOENESS: Hoeneß und seine Frau Susanne mussten nicht vor Gericht erscheinen. Das Gericht las stattdessen ihre Zeugenaussagen bei der Polizei vor. Uli Hoeneß habe vor allem Angst um seine Familie gehabt für die Zeit, in der er im Gefängnis sitzt. "Ich habe die Gefahr gesehen, dass meiner Familie irgendetwas passiert." Das habe bei ihm "ein Gefühl der Hilflosigkeit ausgelöst", sagte er. "Ich habe ich den Nächten danach nicht ruhig geschlafen." Im Prozess wurde bekannt, dass Hoeneß auch zwei weitere Drohbriefe erhalten hat, bei denen er aber von Trittbrettfahrern ausgeht.

DAS URTEIL: Ursprünglich waren vier Prozesstage für die Verhandlung gegen Thomas S. angesetzt. Nach seinem umfassenden Geständnis dürfte sich das Verfahren aber deutlich abkürzen. Nach Ansicht von Gerichtssprecherin Andrea Titz ist voraussichtlich schon an diesem Dienstag mit einem Urteil zu rechnen.