München (SID) - Auf dem Eis und vor den Gerichten ist Eisschnellläuferin Claudia Pechstein eine Langstrecken-Spezialistin. Das könnte sich jetzt auszahlen. In ihrem Dauerstreit mit dem Weltverband ISU deutet sich eine Wende an. Der Sport-Informations-Dienst (SID) stellt vor der Urteilsverkündung am Donnerstag vor dem OLG in München die wichtigsten Fragen und Antworten vor.

Welche Entscheidung fällt am Donnerstag? 

Das Oberlandesgericht (OLG) München entscheidet ab 09.00 Uhr darüber, ob die Klage von Claudia Pechstein gegen den Eisschnelllauf-Weltverband ISU auf Schadenersatz über 4,4 Millionen Euro angenommen wird. In der ersten Verhandlung am 6. November 2014 hat der Richter bereits angedeutet, dass dies möglicherweise geschehen wird. Sollte es so kommen, wäre der Wendepunkt im Verfahren erreicht. Nicht mehr Pechstein wäre am Zug, sondern die ISU müsste Revision einlegen und vor den Bundesgerichtshof (BGH) ziehen. 

Was wird vor dem Bundesgerichtshof (BGH) entschieden?

Der BGH befindet, ob die Hauptsache wieder verhandelt wird - dann aber wiederum am OLG. Dabei würde das gesamte Verfahren neu aufgerollt werden. Es ginge darum, ob Pechstein vor ihrer Sperre tatsächlich gedopt hat oder nicht. Auch wird entschieden, ob die Athletin Schmerzensgeld erhält.

Ist ein Vergleich möglich?

Ein Vergleich ist durchaus möglich, zumal Pechstein sich immer offen dafür gezeigt hat. Bislang war es stets die ISU, die eine außergerichtliche Einigung abgelehnt hat. Das könnte sich ändern, wenn eine neue Hauptverhandlung droht. Pechstein will der ISU anhand von medizinischen Gutachten beweisen, dass ihre Blutwerte nicht wegen Dopings erhöht waren.

Welche Auswirkungen hat das Verfahren auf die Schiedsgerichtsbarkeit?

Eine große. Die Richter haben mehrfach die Schiedsgerichtsbarkeit und vor allem den Sportgerichtshof CAS als letzte Instanz scharf kritisiert. Ihnen missfällt die Monopolstellung der Verbände bezüglich der Athletenvereinbarungen sowie bei der Nominierung der CAS-Richter. Im Fall Pechstein erklärte bereits das Landgericht die Athletenvereinbarung für unwirksam. Andere Sportler können sich bei möglichen Klagen auf dieses Urteil berufen.

Droht dem internationalen Sport ein Chaos?

Der deutsche Sport und die deutsche Gerichtsbarkeit haben bereits reagiert. Im neuen Anti-Doping-Gesetz wurde ein Passus eingeführt, wonach Sportler die Sportgerichtsbarkeit akzeptieren müssen. Innenminister Thomas de Maizière glaubt, dass die Schiedsgerichtsbarkeit damit rechtlich abgesichert ist. Pechstein kündigte jedoch bereits an, eventuell auch dagegen juristisch vorgehen zu wollen.