Köln (SID) - Er pflegte eine enge Freundschaft mit Sepp Herberger, war Präsident des Weltverbandes für Sportmedizin und Vordenker der Bewegungstherapie: Am Freitag wird Wildor Hollmann 90 Jahre alt. "Leider. Ich fühle mich hochleistungsfähig, bin an der Sporthochschule Köln voll im Dienst: mit Vorlesungen, Doktoranden und Patienten", sagte der langjährige Arzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (1958 - 1978) dem SID am Donnerstag. "Da hat sich seit meinem 65. Lebensjahr nichts geändert."

Manchmal könne er kaum glauben, noch am Leben zu sein. "Ich muss mich dann kneifen. Allein im Krieg habe ich unendlich viele Situationen gehabt, in denen ich dachte: Das war es jetzt. Später, wenn auf Exkursionen Leute mit Giftpfeilen hantierten, war das auch nicht gerade ungefährlich", berichtete Hollmann und erzählte von seinem Traum: "Noch einmal die Pubertät erleben."

Die Liste der Positionen, Ehrungen und Errungenschaften im Leben von Wildor Hollmann ist lang. Unter anderem revolutionierte er die Rehabilitation nach Herzinfarkten: "Da hat man den Leuten gesagt: Bewegt Euch bloß nicht! In Amerika hat man Patienten die Arme am Körper festgebunden. Das habe ich alles auf den Kopf gestellt." Derzeit forscht er an den Zusammenhängen zwischen Hirn, Quantenphysik und Geist, diese will er "auch in den kommenden Jahren fortsetzen".

Die in der Studie "Doping in Deutschland seit 1950 bis heute" (2013) von der Berliner Humboldt-Universität erhobenen Vorwürfe, er habe Dopingforschung betrieben, weist er entrüstet zurück. "Ich habe mein Leben lang mit Doping nie zu tun gehabt", sagt Wildor Hollmann: "Die Studie hat den Fehler gemacht, alle Publikationen, die mit körperlicher Belastung zu tun haben, als Dopingvorbereitung zu bezeichnen. Doch ohne diese Studien gäbe es weder Präventivmedizin noch Reha-Zentren."