Heidelberg (SID) - Deutschlands bekanntester Doping-Jäger Werner Franke will auch nach seinem 75. Geburtstag am Samstag weiter gegen Unrecht im Sport kämpfen. "Das Alter als Maßeinheit für Schaffenskraft herzunehmen, ist bescheuert", sagte Franke dem SID: "Ich bin ein Getriebener und werde es immer bleiben."

Der Molekularbiologe aus Heidelberg feiert schon am Freitag mit zahlreichen seiner Doktoranden am Deutschen Krebsforschungszentrum seinen Ehrentag. Am Samstag folgt eine Party im Familienkreis.

Ihr Meisterstück lieferten Franke und seine Frau Brigitte Franke-Berendonk kurz nach der Wiedervereinigung. Das Paar schleuste hochbrisante Dokumente aus dem Tresorraum der Nationalen Volksarmee in Bad Saarow, bevor die Papiere im Reißwolf landeten. Die "vertraulichen Verschlusssachen" in den Händen der "ehrenwerten und gewissenhaften Quälgeister" (FAZ) brachten das Staatsdoping der DDR ans Licht, 1991 aufgeschlüsselt in dem weltweit beachteten Buch "Doping-Dokumente".

Die DDR-Spitzenfunktionäre Manfred Ewald und Manfred Höppner erhielten in den Berliner Prozessen 1999/2000 Geldbußen und Bewährungsstrafen, Berendonk/Franke mussten sich allein in dieser Zeit in insgesamt zwölf Zivil- und zehn Strafprozessen zur Wehr setzen. Das Paar verlor keinen einzigen. Franke gewann später auch einen vierjährigen Prozessmarathon gegen Jan Ullrich, dessen tiefen Fall er maßgeblich beschleunigte.

Heute berät der Träger des Bundesverdienstkreuzes (2004), der auch schon zahlreichen zu Unrecht angeklagten Athleten zur Seite stand, unter anderem den Dopingopfer-Hilfe-Verein, dem er auch sein akribisch geführtes Archiv zur Verfügung gestellt hat.

Der weltweit geachtete Krebsforscher sieht den Anti-Doping-Kampf, der ihn berühmt gemacht hat, dennoch als eine Art notwendiges Übel, das sein ausgeprägter Hang zu Gerechtigkeit ihm abverlangt. Es sind viel mehr seine Verdienste um die Wissenschaft, die ihn mit Stolz und Zufriedenheit erfüllen.

"Wenn ich in der Grube liege, und das ist ja gar nicht mehr so weit hin, tragen immer noch Proteine und Gene, die ich entdeckt habe, den Namen, den ich ihnen geben durfte", sagt Franke: "Das stellt mich zufrieden." Die "Dopingsache", sagt er, mache ihn dagegen "nur ärgerlich".