Peking (SID) - Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat keinerlei Zweifel an der Tauglichkeit Pekings als Gastgeber der Winterspiele 2022. "Peking ist imstande, erfolgreiche Winterspiele auszurichten", sagte der Russe Alexander Schukow, Leiter der Evaluierungskommission des IOC, am Ende einer fünftägigen Visite in China. Der Olympische Geist, den Peking schon 2008 als Gastgeber der Sommerspiele gezeigt, sei "stärker denn je".

Die 19-köpfige Evaluierungskommission mit dem russischen NOK-Präsidenten an der Spitze hatte die Sportanlagen und das Transportsystem inspiziert, sich über die hohe Schadstoffbelastung und die Umweltsituation informiert sowie die Pläne für den Neubau von Wettkampfstätten begutachtet. Pekings einziger Konkurrent ist die kasachische Metropole Almaty, die die Kommission bereits im Februar besucht hatte.

Peking wäre die erste Stadt in der olympischen Geschichte, die nach Sommerspielen auch Winterspiele ausrichten würde. Chinas Hauptstadt bewirbt sich mit dem 190 Kilometer entfernt gelegenen Zhangjiakou, wo die alpinen Wettbewerbe stattfinden sollen, und dem Vorort Yanqing.

Peking gilt nicht zuletzt wegen der riesigen Vermarktungsmöglichkeiten im Reich der Mitte als Favorit. Die Entscheidung über den Ausrichter fällen die IOC-Mitglieder am 30. Juli in Kuala Lumpur. 

Die chinesische Politik und Wirtschaft sicherten dem IOC im Rahmen des Kommissions-Besuches die volle Unterstützung zu. Menschenrechts- und Umweltorganisationen torpedieren Pekings Bewerbung seit Monaten. Schukow verwies auf die großen Anstrengungen der Regierung, um der immensen Luftverschmutzung Herr zu werden. Anlässlich des IOC-Besuches wurden in Peking angeblich zahlreiche Kraftwerke abgeschaltet, um den Smog kurzfristig zu mindern.

Für die Verkehrsverbindung zwischen Peking und Zhangjiakou soll eine Hochgeschwindigkeitsbahn gebaut werden. Allein diese Maßnahme kostet mehrere Milliarden Euro und wird massive Eingriffe in die Natur zufolge haben. 

Die Tatsache, dass in Zhangjiakou über das ganze Jahr verteilt im Schnitt nur etwa ein Meter Schnee fällt, sieht Schukow nicht als problematisch. "Grundsätzlich ist es kalt genug, und überall gibt es ausreichend Wasser", sagte der Russe - für die Produktion von Kunstschnee. 

Dennoch genügen die Bedingungen in Zhangjiakou kaum den Ansprüchen für alpine Wettkämpfe. Die Gipfel sind gerade mal 2000 Meter hoch, der Höhenunterschied der Abfahrt beträgt 820 m, 20 m über dem unteren FIS-Grenzwert von 800 m.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will sich mit Hamburg um die Sommerspiele 2024 bewerben, wenn eine Bürgerbefragung in der Hansestadt im Herbst mindestens ein 50-Prozent-Votum für eine Bewerbung ergibt. Die Vergabe der Winterspiele 2022 an ein totalitär geführtes Land wie China oder Kasachstan Ende Juli und die damit verbundene Negativ-Berichterstattung könnte die Olympiastimmung in Hamburg verschlechtern.