Gelsenkirchen (SID) - Schalke 04 lag 1:2 gegen den Tabellenletzten VfB Stuttgart zurück, die Fans wandten dem Spielfeld demonstrativ den Rücken zu, die Pfiffe wurden lauter. Da wechselte Trainer Roberto Di Matteo Kevin-Prince Boateng ein - den einstigen Leitwolf, der längst zum teuren Edelreservisten geworden war. Der Deutsch-Ghanaer drehte fast im Alleingang das Spiel.

Erst bereitete er den Ausgleich durch Klaas-Jan Huntelaar vor (78.), dann lenkte Stuttgarts Verteidiger Florian Klein seinen Volleyschuss zum Schalker 3:2 (1:1) ins eigene Tor. Beim ersten Einsatz seit vier Wochen war Boateng plötzlich der Matchwinner. "Ihn darf man nicht abschreiben", sagte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies: "Wenn er will, ist er grandios."

In seiner ersten Saison auf Schalke hatte der gebürtige Berliner wesentlich dazu beigetragen, dass die Königsblauen zum dritten Mal in Folge in die Champions League einzogen. Im zweiten Jahr wurde der Leitwolf zum Sündenbock. Nach dem 0:3-Debakel im Revierderby bei Borussia Dortmund Ende Februar flog der Zehn-Millionen-Euro-Einkauf, der schon in den Wochen zuvor nur selten seine Qualitäten zur Geltung gebracht hatte, aus der Startelf. Egal wie viele Spieler verletzt fehlten, Boateng saß stets nur auf der Bank. Sein Weggang zum Saisonende trotz laufenden Vertrages scheint beschlossene Sache.