Hamburg (SID) - Der Hamburger SV fürchtet mehr denn je den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte. Wie konnte es so weit kommen? Die Horror-Saison im Zeitraffer.

25. Mai 2014: Wie berauscht stimmt bei der Mitgliederversammlung eine überwältigende Mehrheit für die Ausgliederung der Profi-Abteilung und macht den Weg frei für den Einstieg von Investoren. Das Geld wird fließen, nie wieder Abstiegskampf an der Elbe, so die Hoffnung. Eine goldene Zukunft scheint nur sicher.

9. Juli 2014: Der Messias ist da: Dietmar Beiersdorfer wird neuer Vorstandsvorsitzender der HSV Fußball AG. Die Aufbruchstimmung in Hamburg hat nun ein Gesicht - und die Fans träumen von Europa.

4. August 2014: Milliardär und Edel-Fan Klaus-Michael Kühne erhöht sein bisher gewährtes Darlehen von acht auf 25 Millionen Euro - in der "Hoffnung, dass es auf diese Weise gelingen wird, das Mannschaftsgefüge maßgeblich zu stärken".

15. September 2014: Der erste Trainerwechsel: Mirko Slomka wird nach nur drei Spielen vom Hof gejagt. Der Relegations-Rettungs-Trainer übergibt den taumelnden und torlosen HSV auf dem letzten Platz. Beiersdorfer macht U23-Coach und Selfmade-Millionär Josef "Joe" Zinnbauer zum Chef von Rafael van der Vaart und Co.

7. Februar 2015: Zinnbauer und der HSV - das scheint zu passen. Der Jungtrainer brennt und führt die Mannschaft mit einem 2:1 gegen Hannover 96 nach dem 20. Spieltag bis auf Platz zwölf - auf Rang sieben fehlen nur noch drei Punkte. Danach geht es bergab.

22. März 2015: Der zweite Trainerwechsel: Nach sechs Partien in Serie ohne Sieg, Tabellenplatz 16 muss Zinnbauer gehen. Trainer Nummer drei der Saison wird Peter Knäbel, eigentlich Direktor Profifußball. Knäbel soll retten, was nicht mehr zu retten ist, und im Sommer für Wunschtrainer Thomas Tuchel Platz machen. Ein einziges, großes Missverständnis.

28. März 2015: Beiersdorfer greift durch und verkündet, dass der Verein die auslaufenden Verträge mit van der Vaart, Marcell Jansen, Gojko Kacar und Ivo Ilicevic auf keinen Fall verlängern werde. Egal in welcher Liga die Hamburger spielen. Angeblich versprechen die Ausgemusterten, dass der Klassenerhalt "für sie oberste Priorität hat und sie diesem Ziel alles unterordnen werden".

15. April 2015: Der dritte Trainerwechsel: Nicht Tuchel übernimmt den sinkenden HSV-Tanker, sondern Bruno Labbadia. Nach zwei verheerenden Niederlagen erlöst Beiersdorfer den völlig überforderten Knäbel. Labbadia will als Retter Nummer vier "jeden Millimeter ummähen". Der HSV ist sechs Spieltage vor der großen Abrechnung Letzter.

25. April 2015: Horrorserie beendet - erstmals seit dem 28. Februar und 597 Minuten trifft ein Hamburger wieder ins Tor. Ivica Olic läutet den Sieg gegen Augsburg ein, die Hoffnung auf eine Rettung in letzter Minute steigt.

16. Mai 2015: Nach einem desolaten und völlig verunsicherten Auftritt in Stuttgart (1:2) steht der Dino dichter als jemals zuvor am Abgrund. Die Hamburger können den Klassenerhalt als Tabellenvorletzter nicht mehr aus eigener Kraft schaffen. Der "Geist von Malente" wird beschworen. Ein Mini-Trainingslager im "Uwe Seeler Fußball Park" in der schleswig-holsteinischen Provinz soll die Wende bringen.

23. Mai 2015: 15.30 Uhr, Anpfiff zum Abstiegs-Showdown gegen Schalke 04. Nur ein Sieg zählt für die Hanseaten, die zudem auf Patzer der Konkurrenz hoffen müssen.