Santiago de Chile (SID) - Nach dem ersten Umweltalarm in Santiago de Chile seit 16 Jahren blicken die Organisatoren der Copa America dem Auftakt der Viertelfinals bei der Fußball-Südamerikameisterschaft mit Bangen entgegen. Aufgrund abnorm hoher Luftverschmutzung waren in Chiles Hauptstadt bis zum Montagabend 40 Prozent aller gemeldeten Fahrzeuge für den Straßenverkehr gesperrt und über 3000 Betriebe geschlossen worden.

"Auf Kinder und ältere Menschen sollte besonders geachtet werden. Wer nicht unbedingt aus dem Haus muss, sollte nicht rausgehen", appellierte Chiles Gesundheitsministerin Carmen Castillo an die Bevölkerung.

Vor dem Copa-Duell der Gastgeber am Mittwoch in der Runde der letzten Acht gegen Titelverteidiger Uruguay kündigten die Behörden eine neuerliche Überprüfung der Messwerte an. Obwohl die Wettervorhersage für die folgenden drei Tage keine Besserung der Lage in Aussicht stellten, schloss Santiagos Bürgermeister Claudio Orrego wegen mangelnder Gefährdung der Spieler wie zuvor schon die Turnierorganisatoren eine Verschiebung des Viertelfinals aus.

"Die Spiele finden mit oder ohne Alarm statt", sagte Orrego entschlossen: "Wir sprechen nicht von Kindern mit Atemwegsproblemen oder älteren Menschen, sondern über Hochleistungsathleten in der Blüte ihrer Jugend, die 90 Minuten spielen werden."

Ausgerechnet während des laufenden Turniers hat sich besonders über dem in einem Tal gelegenen Santiago eine sehr ungewöhnliche Wetterlage ergeben. Verstärkt wird die nebelartige Verschmutzung der Luft durch den Mangel an Regen sowie eine für chilenische Verhältnisse extrem milde Winter-Witterung. Für den Copa-Spielort Temuco im Süden des Lande, wo am Donnerstag das Viertelfinale zwischen Bolivien und Peru stattfindet, war bereits im vergangenen Monat aufgrund einer von Holzverbrennungsöfen verursachten Schwefelbelastung der Luft Umweltalarm gegeben worden.

Orregos Leichtfertigkeit im Umgang mit der akuten Umweltbelastung in Santiago steht in krassem Gegensatz zu Ergebnissen einer Regierungsstudie von 2014. Demnach sterben in Chile jährlich 4000 Menschen an Herz-Lungen-Erkrankungen aufgrund der  Luftverschmutzung. Weitere Untersuchungen chilenischer Mediziner nennen chronische Bronchitis, Lungenentzündungen und Asthma als weitere Folgen.