Olmütz (SID) - U21-Nationalspieler Emre Can hat nach dem 0:5 (0:3) gegen Portugal im EM-Halbfinale ungewohnt deutliche Selbstkritik geübt. "Vielleicht habe ich vor dem Spiel gedacht, dass ich der Größte bin. Keine Ahnung, was heute war. Ich glaube, ich muss wieder auf den Boden kommen", sagte der Defensivspieler des FC Liverpool. Der 21-Jährige war zuletzt an der Anfield Road schon als Nachfolger von Steven Gerrard gehandelt worden.

"Wir sind alle junge Menschen. Wenn man immer ein Lob erhält und dann noch ein Lob, dann denkt man, man ist ein Großer", sagte Can, der gegen Portugal wie das gesamte Team eine enttäuschende Leistung gezeigt hatte. "Was wir da abgeliefert haben, war einfach eine Frechheit. Man kann von mir aus 0:5 oder 0:10 verlieren. Aber wenn man alles gibt, kann man danach in den Spiegel gucken. Bei mir persönlich war es so, dass ich heute nicht alles gegeben habe", sagte Can.

DFB-Trainer Horst Hrubesch begrüßte Cans Reaktion. "Ich finde toll von Emre, was er gemacht hat. Selbsterkenntnis ist immer gut. Ich finde es gut, dass er keine Ausreden gesucht hat", sagte Hrubesch.

Keine Erklärung hatte Can für die von Weltmeister Matthias Ginter geübte Kritik, wonach "einige in der Vorbereitung nicht alles so professionell gemacht haben, wie man es vor einem Halbfinale machen sollte." Can dazu: "Es ist nichts vorgefallen. Wir haben uns immer benommen. Ich weiß nicht, was Matze meint."