Pau (SID) - Christopher Froome geht als großer Favorit auf den Gesamtsieg bei der 102. Tour de France in die Pyrenäen-Etappen. Die Herausforderer Alberto Contador und Nairo Quintana haben die schwere erste Woche besser überstanden als befürchtet, Titelverteidiger Vincenzo Nibali ist dagegen bislang der große Verlierer. In Tejay van Garderern greift zudem ein weiterer Fahrer in das im Vorfeld als Vierkampf erwartete Rennen um das Gelbe Trikot ein. - Die Top-Favoriten im Formcheck:

Christopher Froome (30, Sky, 1. Platz): Der Brite ist der große Gewinner der anspruchsvollen ersten neun Tour-Tage. Er ließ seine starke Bergform an der Mur de Huy aufblitzen, wo er den Konkurrenten wertvolle Sekunden abnahm. Zudem hinterließ seine Mannschaft nicht zuletzt im Teamzeitfahren am Sonntag einen bärenstarken Eindruck. Er besitzt auch den Vorteil, nur reagieren zu müssen, und ist nicht selbst zu Attacken gezwungen. Derzeit ist er der erste Anwärter auf den Toursieg.

Tejay van Garderen (26, BMC, 2. Platz, 0:12 Minuten Rückstand): Heimlich, still und leise hat sich der zweimalige Tour-Fünfte in den Kreis der Top-Favoriten gefahren. Van Garderen leistete sich keine Fehler und ist durchaus in der Lage, in den Bergen gegen Froome zu bestehen. Das bewies der BMC-Profi bereits im Vorbereitungsrennen Critérium du Dauphiné. Allerdings muss sich erst zeigen, ob van Garderen die Form über die zwei verbleibenden schweren Tour-Wochen halten kann.

Alberto Contador (32, Tinkoff-Saxo, 5. Platz, 1:03): Der Sieger des Giro d'Italia kann nach wie vor vom seltenen Doppelsieg träumen. Der Rückstand auf Froome ist im Rahmen, und (noch) sind die Beine des Pistoleros gut, wenn es ihm auch an Explosivität mangele, wie er einräumte. Die Berge sind sein Terrain, besonders in den Pyrenäen wird es auch an Unterstützung für den Spanier nicht fehlen. Wie gut Contador die Strapazen des Giro und der ersten Tour-Tage wirklich überstanden hat, wird sich bei der ersten Bergankunft am Dienstag zeigen. Der Ausfall seines Edelhelfers Ivan Basso (Italien), der das Rennen nach der Schockdiagnose Hodenkrebs aufgeben musste, ist auf dem Papier eine Schwächung. Allerdings könnte der Schicksalsschlag seines guten Freundes auch zusätzliche Kräfte freisetzen.

Nairo Quintana (25, Movistar, 9. Platz, 1:59): Knapp zwei Minuten Rückstand - das klingt viel, ist im Fall Quintana aber eine durchaus gute Nachricht. Die erste Tour-Woche samt Zeitfahren und der Klassiker-Etappe über das Kopfsteinpflaster von Paris-Roubaix waren alles andere als nach dem Geschmack des Bergflohs. Seine großen Stärken kann er erst in den Pyrenäen und den Alpen ausspielen. Quintana ist trotz des Rückstands wohl der schärfste Rivale Froomes.

Vincenzo Nibali (30, Astana, 13. Platz, 2:22): Nibali ist bislang die große Enttäuschung. Der Titelverteidiger wollte sich vor den Bergen einen Vorsprung herausfahren, startet nun aber mit der Hypothek eines über zweiminütigen Rückstands. Bereits mehrfach verlor Nibali den Anschluss an die Konkurrenten, zuletzt am Samstag an der Mûr-de-Bretagne. Die Tour droht für Nibali zu einem Debakel zu werden. Um das zu verhindern, braucht es mehr als nur Durchhalteparolen und vor allem seine Abfahrtskünste.