Rodez (SID) - Christopher Froome hat in den Pyrenäen seine Chancen auf seinen zweiten Tour-de-France-Gesamtsieg deutlich erhöht. Die Herausforderer um Nairo Quintana und Alberto Contador geben sich aber im Kampf um das Gelbe Trikot trotz einer fast aussichtlosen Lage noch nicht geschlagen. Der Sport-Informations-Dienst (SID) schätzt ein, wer dem Briten noch gefährlich werden könnte. - Die Verfolger von Froome im Formcheck:

Tejay van Garderen (26, BMC Racing Team, 2. Platz, 2:52 Minuten Rückstand): Heimlich, still und leise hatte sich der US-Amerikaner in den Kreis der Favoriten geschoben, nach den Pyrenäen liegt van Garderen noch immer auf Rang zwei. Allerdings hat auch er sich einen gehörigen Rückstand eingefangen, vor den Pyrenäen betrug sein Abstand gerade einmal zwölf Sekunden. Van Garderen ist mit seinem gleichmäßigen Stil weiter ein Podiumskandidat, hält das dominante Team Sky aber durchaus für antastbar: "Vielleicht bezahlen sie in der dritten Woche den Preis."

Nairo Quintana (25, Movistar, 3. Platz, 3:09): Vom Kolumbianer waren vehemente Attacken in den Pyrenäen erwartet worden, doch seine Versuche erzielte keine Wirkung bei Froome. Im Gegenteil: Der Rückstand wuchs auf über drei Minuten an. Quintana ist gezwungen, weiter in die Offensive zu gehen, und nach wie vor trauen ihm viele Beobachter zu, Froome zumindest in Bedrängnis zu bringen. Er sagt mit Blick auf die dritte Woche: "Froome ist auch ein Mensch und kann mal einen schwachen Tag haben. Ich liebe die längeren Anstiege in den Alpen."

Alejandro Valverde (35, Movistar, 4. Platz, 3:58): Auch der spanische Routinier versuchte, den britischen Spitzenreiter unter Druck setzen, ihn auszuzehren, um so eine Folgeattacke von Teamkollege Quintana zu lancieren. Der Plan misslang, gleichwohl zeigte sich Valverde bislang am Berg in guter Verfassung und könnte durchaus seinen Gesamtrang verteidigen.

Alberto Contador (32, Tinkoff-Saxo, 6. Platz, 4:04): Der Sieger des Giro d'Italia kann seinen Traum vom seltenen Doppeltriumph abhaken. Der Rückstand auf Froome ist nach Contadors Einbruch vom Dienstag unter normalen Umständen nicht aufholbar. Dennoch bleibt der Spanier kämpferisch, wie sein vergeblicher Angriff zum Plateau de Beille unterstrich. Er fühle sich viel besser, sagte Contador: "Du musst es einfach jeden Tag versuchen." 

Vincenzo Nibali (30, Astana, 9. Platz, 7:47): Nibalis Titelverteidigung ist bislang eine grandiose Enttäuschung. Selbst einen Podestplatz kann der "Hai von Messina" eigentlich schon nicht mehr erreichen. Der Italiener wirkte blockiert und hat längst nicht die überzeugende Ausstrahlung des Vorjahres. Ein Etappensieg könnte seine erfolgsverwöhnte Teamführung mit dem exzentrischen und umstrittenen Alexander Winokurow zumindest versöhnlich stimmen.