Peking (SID) - Kugelstoßerin Christina Schwanitz hat bei der Leichtathletik-WM in Peking das erste Gold für das deutsche Team gewonnen. Die Top-Favoritin vom LV Erzgebirge setzte sich mit 20,37 m gegen die Chinesin Gong Lijiao (20,30) durch. Bronze gewann Michelle Carter aus den USA (19,76). Schwanitz setzte sich 16 Jahre nach dem letzten von drei Titeln von Astrid Kumbernuss als erst zweite Deutsche die Kugel-Krone auf.

"Das war ein spannender Wettkampf. Ich habe nicht gedacht, dass es so spannend wird. Aber ich habe es geschafft", sagte Schwanitz mit feuchten Augen im ZDF: "Es war nicht so schön zurückzuliegen, aber es ist ein umso schöneres Ende."

Dabei sah es zunächst gar nicht gut aus. Gong hatte gleich im ersten Versuch 20,30 m vorgelegt und Schwanitz wirkte etwas geschockt. Doch sie behielt die Nerven und konterte im dritten Versuch mit ihrem Gold-Stoß.

Damit hat Schwanitz vorgelegt. Ihr Trainingspartner David Storl (Leipzig) will am Sonntag nachziehen und seinen dritten Titel in Serie holen. Damit wäre das deutsche Kugelstoß-Märchen von Peking perfekt.

Am Vorabend ihrer großen Show hatte Schwanitz wieder ihr obligatorisches Beruhigungs-Bier getrunken. Gut schlafen konnte sie trotzdem nicht. "Die Betten sind schrecklich", sagte sie nach der souveränen Qualifikation am Morgen. Doch nach zwei Duschen und einem Nickerchen am Mittag war sie dann zum richtigen Zeitpunkt hellwach.

Mit ihrem Triumph von Peking krönte Schwanitz ihre Karriere - dabei schien ihre Laufbahn im Vorjahr fast beendet. Eine Patellasehnen-Operation verlief "suboptimal", sagte sie. Das linke Knie schwoll nach dem Eingriff immer wieder an und entzündete sich. "Ich hatte Angst, dass ich nie mehr Kugelstoßen kann. Da gehst du als Leistungssportler durch die Hölle, aber Gott sein Dank hat sich alles zum Guten gewendet", sagte Schwanitz.

Doch erst eine Behandlung mit einer radioaktiven Flüssigkeit brachte Besserung. Das in einem Reaktor hergestellte Mittel wurde Schwanitz ins Knie gespritzt und soll Entzündungen entgegen wirken. "Aber das ist nur wenig, ich bin nicht Tschernobyl", sagte sie.