Pretoria (SID) - Der wegen fahrlässiger Tötung verurteilte Paralympics-Gewinner Oscar Pistorius aus Südafrika ist nun doch wegen Mordes verurteilt worden. Das oberste Berufungsgericht in Bloemfontaine folgte damit am Donnerstag dem Antrag der Staatsanwaltschaft. "Schuldig des Mordes, der Angeklagte hatte einen kriminellen Vorsatz", erklärte Richter Eric Leach.

Ein Strafmaß wurde nicht verkündet, dies liegt nun in der Hand des zuständigen Gerichts in Pretoria. Nach dem Berufungsurteil steht der 29-Jährige Pistorius, der im Gerichtssaal in Bloemfontaine nicht anwesend war, vor einer Haftstrafe von mindestens 15 Jahren.

Pistorius hatte seine damalige Freundin Reeva Steenkamp am Valentinstag 2013 in seinem Haus erschossen. Er dachte nach eigener Aussage, es habe sich um einen Einbrecher gehandelt. Pistorius wurde daraufhin zu fünf Jahren Haft verurteilt, am 20. Oktober wurde er in einen Hausarrest überführt.

"Er wusste nicht, ob diese Person eine Bedrohung darstellt", sagte Leach in seiner Urteilsbegründung, "es ist unvorstellbar, dass eine rationale Person denken würde, sie sei berechtigt, mit einer schweren Schusswaffe auf diese Person schießen zu dürfen."

Leach bewertete die Zeugenaussage von Pistorius als "schwankend und unwahr. Er muss voraussehen können, dass die Person hinter der Tür verletzt werden könnte". Pistorius sollte deshalb, so Leach weiter, "nicht wegen fahrlässiger Tötung, sondern wegen Mordes verurteilt werden".

Der in der Vorinstanz zuständige Staatsanwalt Gerrie Nel hatte den von Pistorius dargestellten Tathergang ebenfalls stets bezweifelt und dem Prothesensprinter eine klare Mordabsicht unterstellt. Nel sah es als erwiesen an, dass Pistorius seine Lebensgefährtin absichtlich durch die geschlossene Toilettentür erschossen habe.