London (SID) - Dem Leichtathletik-Weltverband IAAF und seinem unter Druck stehenden Präsidenten Sebastian Coe drohen wegen der umstrittenen Vergabe der WM 2021 an Eugene weitere Probleme. Wie die BBC am Mittwoch berichtet, haben die französischen Justizbehörden diesbezüglich Ermittlungen aufgenommen.

Hintergrund dürfte ein erhärteter Korruptions-Verdacht sein. Im November hatten die Behörden bereits ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack eingeleitet. Diack, in dessen Amtszeit Eugene den Zuschlag für die Welttitelkämpfe erhalten hatte, wird Bestechlichkeit und Geldwäsche vorgeworfen. Er soll während seiner Amtszeit Dopingfälle vertuscht haben.  

Mitte April war Eugene völlig überraschend und ohne Bewerbungsverfahren die WM 2021 zugesprochen worden, obwohl auch Göteborg Interesse gezeigt hatte. Die Stadt im US-Bundesstaat Oregon liegt nur unweit des Nike-Hauptsitzes in Beaverton und ist Gründungsort des Unternehmens. 

Der zweimalige 1500-m-Olympiasieger Coe, damals IAAF-Vizepräsident, war zu diesem Zeitpunkt Marken-Botschafter des Sportartikel-Giganten und soll dafür jährlich ein sechsstelliges Honorar erhalten haben. In Nachhinein hatte Coe die Vergabe an Eugene als Fehler bezeichnet, eigene Verantwortung aber zurückgewiesen. Seine Tätigkeit für Nike hat er mittlerweile beendet.

Laut BBC wollen die französischen Behörden ermitteln, vor welchen Hintergründen Eugene den Zuschlag erhalten habe. In einer Mail an Nike-Boss Craig Masback soll Eugenes OK-Chef Vin Linnana von Inhalten eines Treffens mit Coe berichtet haben. 

Coe habe seine Unterstützung für Eugene zugesagt, allerdings darauf verwiesen, dass Diack den Vergabe-Prozess nicht vor dem Council-Meeting im April 2015 in Peking einleiten werde. Dort bekam Eugene allerdings bereits den Zuschlag - mit einer 23:1-Mehrheit.