Roubaix (SID) - Das Debüt war überzeugend, die Rückkehr ist beschlossene Sache: Die erfolgreiche Premiere in der "Hölle des Nordens" hat die Klassiker-Ambitionen des deutschen Radprofis Tony Martin beflügelt. "Es ist wichtig, diese Erfahrungen zu machen. Ich gehe zufrieden aus dem Rennen", sagte Zeitfahr-Spezialist Martin nach seiner ersten Teilnahme bei Paris-Roubaix und versprach zukünftige Auftritte bei der "Königin der Klassiker".

Bei der Kopfsteinpflaster-Tortur über 257,5 km und insgesamt 27 der gefürchteten Pavé-Sektoren hatte sich Martin komplett in den Dienst seines zweitplatzierten Kapitäns Tom Boonen (Belgien) gestellt. Insgesamt rund 150 km rieb sich der 30-Jährige von Team Etixx-QuickStep in der Führungsarbeit auf und wurde so zu einem der Hauptprotagonisten des Rennens.

Inwieweit Martin selbst einmal mit Siegambitionen bei Paris-Roubaix startet, wird sich allerdings erst noch zeigen. Sein Auftritt am Sonntag, aber auch der Tour-Etappensieg 2015 in Cambrai, als er mit einem beherzten Angriff ins Gelbe Trikot fuhr, stellten sein Talent für das hochanspruchsvolle Terrain jedoch zweifellos unter Beweis. Mit seiner unbändigen Kraft und dem großen Motor scheint Martin für einen Erfolg beim wichtigsten Klassiker prädestiniert. 

Mit Martin konkurrieren würde dann allerdings John Degenkolb, der 2015 als zweiter Deutscher 119 Jahre nach Josef Fischer in Roubaix triumphiert hatte, und sein erklärtes Lieblingsrennen vom Fernseher aus verfolgen musste. "Was für ein Rennen" schrieb Degenkolb bei Twitter und zollte damit auch Martin Respekt. Am 23. Januar hatte ihm ein Frontalcrash mit dem Auto einer Britin im Trainingslager in Spanien den ersten Teil seiner Saison zerstört. Vor allem der beinahe abgerissene Zeigefinger der linken Hand beeinträchtigt den gebürtigen Thüringer, der nun die Tour de France im Visier hat.

Eine ebenfalls hervorragende Leistung zeigte am Sonntag Marcel Sieberg. Der 33-Jährige vom Team Lotto-Soudal, der sonst zumeist nur als treuer Anfahrer des Top-Sprinters André Greipel in Erscheinung tritt, wurde als bester Deutscher Siebter.