Köln (SID) - Bei Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, hat die Entscheidung des Internationalen Olympischen-Komitees über den nur teilweisen Ausschluss russischer Sportler bei den Olympischen Spielen für Unverständnis gesorgt. "Ich halte die Entscheidung für problematisch. Hier entsteht leicht der Eindruck, dass politische Rücksichtnahmen höher gewichtet worden sind als die Frage der Glaubwürdigkeit des Sports", sagte Prokop dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Er sei "überrascht, dass die schwerwiegenden Vorwürfe gegen den russischen Sport ohne Folgen für die Teilnahme sind". An Olympischen Spielen nähmen schließlich die Sportler per se teil, sondern die Athleten, die von ihren Nationalen Olympischen Komitees entsandt werden. "Dementsprechend muss zunächst über das Teilnahmerecht des NOKs entschieden werden muss", sagte er weiter. 

Die Verantwortung einer Sperre sei an "die Fachverbände delegiert worden", obwohl schwierig nachzuvollziehen sei, wie bei dieser Art des Staatsdopings glaubwürdig zwischen involvierten und nicht involvierten Athleten differenziert werden soll.

Beim Ausschluss von Whistleblowerin Julia Stepanowa, die die Aufdeckung des russischen Staatsdopingsystems mit ins Rollen gebracht hatte, habe das IOC "eine große Chance verpasst, ein Zeichen im Kampf gegen Doping zu setzen".

Für problematisch halte er ferner "den zwingenden Ausschluss von Sportlern, auch nach Ablauf ihrer Dopingsperren, weil das gegen die Gleichbehandlung verstößt". Sportler anderer Nationen, die ihre Sanktion verbüßt haben, wie beispielsweise US-Sprinter Justin Gatlin, dürfen in Rio de Janeiro starten.