Köln (SID) - Doping-Experte Fritz Sörgel hat die IOC-Entscheidung im Fall Russland als "widerliches, abgekartetes Spiel" bezeichnet. "Allein die Tatsache, dass die russischen Sportfunktionäre mit der Entscheidung zufrieden sind, ist doch ein starkes Zeichen dafür, dass gemauschelt worden ist", sagte Sörgel im Gespräch mit Sky Sport News HD: "Es glaubt doch wohl niemand, dass das IOC das nicht im Vorfeld mit den Verbänden abgesprochen hat."

Der olympische Gedanke, so Sörgel, habe mit dieser Entscheidung "großen Schaden genommen. Das IOC hätte endlich ein Exempel statuieren können, aber das war doch nie ernsthaft vorgesehen". Jetzt müsse "mal schnell jemand den russischen Leichtathleten erklären, warum sie eigentlich nicht starten dürfen". 

Seine Vorhersage sei, dass "Russland eine zweistellige, wenn nicht gar dreistellige Zahl an Athleten nach Rio schicken wird. Das ist doch der eigentliche Skandal. Das IOC, besonders Präsident Bach, hat hier komplett versagt." Der Tennis-Weltverband ITF bestätigte Sörgels Aussage schon am Sonntag: Alle sieben für Olympia qualifizierten russischen Tennisspieler bekamen von der ITF grünes Licht für Rio.

Auch das Startverbot für Whistleblowerin Julia Stepanowa kritisierte Sörgel im Gespräch mit SSNHD scharf. "Es wäre eine so wichtige symbolische Geste gewesen, sie dort antreten zu lassen", sagte er: "Aber da hat man lieber vor dem russischen System einen Knicks gemacht."

Das IOC habe sich am Sonntag ein "riesiges Kuckucksei ins Nest gelegt. Das wird Thomas Bach irgendwann wieder rausnehmen müssen, oder aber es wird sich endgültig bestätigen, dass er nicht der richtige Mann auf diesem Posten ist".