Rio de Janeiro (SID) - René Enders stand mit geröteten Augen zehn Meter neben dem Siegerpodest im olympischen Velodromo da Barra. Der Thüringer Bahnradsprinter wagte keinen Blick dorthin, er fixierte stattdessen lange den Boden. Es fiel ihm schwer, ausgerechnet an diesem Abend, der seine Karriere krönen sollte, über eine bittere Enttäuschung zu sprechen. "Ich brauche erst mal Ruhe und Abstand", sagte Enders leise.

Der 29-Jährige hatte Olympia-Bronze in Peking gewonnen, in London genauso, er war zweimal Weltmeister, war über viele Jahre ein unersetzlicher Teil der erfolgsverwöhnten deutschen Teamsprinter. Doch was Enders mehr als alles andere wollte, war Gold. Hier in Rio de Janeiro sollte es passieren. Und dann ging es so grandios daneben. Platz fünf. Nichts, nicht einmal Bronze.

Enders haderte wie alle mit dem plötzlichen Ausfall Max Niederlags, der eineinhalb Jahre Aufbauarbeit ruiniert hatte. "Das war schlimm." Enders versuchte sich zu trösten, er sagte, wie er sich auf seine Familie freue, auf Urlaub, einfach auf irgendetwas, das ihn auf andere Gedanken bringt.

Dass bald eine Ära endet, wenn Enders ganz aufhört, dass niemand in Sicht ist, der seine Fußstapfen ausfüllen kann. Mit solchen Themen konnte er gar nichts anfangen. "Wer mein Nachfolger wird, ist mir gerade total Banane", sagte er.

Enders wird in Rio seinen Kollegen Joachim Eilers und Maximilian Levy noch die Daumen drücken, ein Stück fährt er auch noch weiter. Wie lange, das weiß er selbst nicht. Nur Olympia, das ist sicher, wird Enders nicht mehr erleben. Gold bleibt ihm verwehrt. "Dass es so endet, ist ärgerlich", sagte er: "Aber das macht mich nicht zu einem schlechteren Menschen."