Köln (SID) - Helmut Digel, ehemaliger Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und Council-Mitglied von 1995 bis 2015, hat angeblich vom Leichtathletik-Weltverband IAAF jahrelang ein verschleiertes Salär erhalten. Dies berichtete die Süddeutsche Zeitung am Freitag. Spätestens seit 2010 soll der heute 72-Jährige demnach über den Tagesspesensatz von rund 250 Dollar hinaus zusätzlich rund 3000 Dollar pro Monat bezogen haben.

Dieses Geld sei ihm durch den langjährigen IAAF-Präsidenten Lamine Diack und dessen Sohn Papa Massata gewährt worden. Dies sei aber offenbar ohne Rechtsgrundlage geschehen, wie das Blatt weiter berichtet. Demnach ist für Ehrenamtliche laut dem Verbandsreglement keine Vergütung vorgesehen.

Jedoch bestätigte die IAAF, dass es in der Ära des 2015 abgetretenen Diack tatsächlich Sonderzahlungen "an einige Vorsitzende von Komitees und Kommissionen" gegeben habe. Digel stand lange Zeit dem Ressort Marketing und TV vor. Der frühere IAAF-Generalsekretär Jean Gracia erklärte der SZ, Digel habe, "wie manch andere Kommissions-Vorsitzende, eine zusätzliche Kompensation für weitere Zeit und Dienste erhalten, die er der IAAF zur Verfügung stellte."

Der heute 83 Jahre alte Diack, der 2015 durch Sebastian Coe an der Verbandsspitze abgelöst wurde, hatte den Verband jahrelang nach Gutsherrenart geführt. Unter anderem soll er mit seinem Sohn Papa Massata und dem ehemaligen IAAF-Schatzmeister Walentin Balachnitschew ein Korruptionssystem installiert und gegen Geldzahlungen positive Dopingtests vertuscht haben.