Saarbrücken (SID) - Ohne Olympia-Flaggenträger Timo Boll (Düsseldorf) soll Tischtennis-Europameister Dimitrij Ovtcharov (Hameln/Orenburg) beim Weltcup ab Samstag in Saarbrücken die Fahne der Gastgeber hochhalten. Beim drittwichtigsten Interkontinental-Turnier gilt der Weltranglistensechste hinter den chinesischen Favoriten Fan Zhendong und Xu Xin zumindest als Anwärter auf eine Podiumsplatzierung.

Nur Außenseiter-Chancen beim 150.000-Dollar-Event darf sich Debütant Bastian Steger (Bremen), in Rio mit Ovtcharov und Boll Olympia-Dritter mit der Mannschaft, ausrechnen. Rekord-Europameister Boll ist erstmals seit 24 Jahren (EM 1992 in Stuttgart) nicht für für ein Tischtennis-Großereignis in Deutschland qualifiziert.

Ovtcharov will sich gegen die Rolle als Alleinunterhalter nicht wehren. "In guter Form kann ich gerade auch mit heimischem Publikum im Rücken ein Spitzenresultat erreichen", meint der zweimalige Weltcup-Dritte. 

Sein erster ernsthafter Wettbewerb nach Rio steht für den Olympiadritten von 2012 allerdings nicht nur wegen des Heimvorteils unter einem besonderen Stern: "Durch die Geburt unserer Tochter Emma kurz nach Rio ist mir wieder klarer geworden, dass es viel Wichtigeres gibt als den kleinen Ball. Ich denke, dass ich durch Emma die nötige Lockerheit bekommen habe, die mir vielleicht in Rio noch gefehlt hat. Deswegen ist Olympia für mich auch schon abgehakt und der Weltcup wieder ein sportlicher Neuanfang."

Als Nummer drei der Setzliste ist der 28-Jährige automatisch schon für das Achtelfinale ab Sonntag qualifiziert. Steger hingegen muss zum Auftakt erst noch durch die Vorrunde, ehe die Auslosung für die Runde der besten 16 stattfindet.

Bolls Abwesenheit in Saarbrücken ist eine Spätfolge seiner Knie-Operation vor Jahresfrist. Aufgrund des Eingriffs konnte der zweimalige Weltcup-Gewinner im vergangenen Februar beim Europe-Top-16-Cup in Portugal noch nicht im Kampf um die Weltcup-Plätze für europäische Spieler mitmischen.

Durch Stegers gleichzeitige Qualifikation war zudem der zweite und letzte Platz für Gastgeber Deutschland auch schon vergeben, so dass für den 35-Jährigen eine Teilnahme per Wildcard des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) ebenfalls nicht möglich war.