São Paulo (SID) - NICO ROSBERG: Der WM-Spitzenreiter ist mit seinem dritten zweiten Platz in Folge der Erfüllung seines Kindheitstraums einen weiteren Schritt nähergekommen. Damit reicht ihm Platz drei beim Saisonfinale in Abu Dhabi zum ersehnten Titelgewinn. Das scheint mehr als machbar im besten Auto - zumal bei Wüstenhitze statt Dauerregen. Doch dafür sollte Rosberg noch einmal das Format eines Weltmeisters zeigen. Hamilton fährt im Moment in einer eigenen Liga, auch Verstappen hat mehr Speed. Und schon wird die Luft dünn.

LEWIS HAMILTON: Der Champion ist auf der Jagd. Mit dem Rücken zur Wand fährt der Popstar der Formel 1 so stark wie lange nicht und scheint kaum einzufangen. Mit 52 Grand-Prix-Siegen ist er seit Brasilien der zweitbeste Fahrer der Formel-1-Geschichte. Selbst wenn es in Abu Dhabi nichts mit Titel Nummer vier werden sollte: Dass Hamilton der beste Fahrer im Feld ist, kann niemand ernsthaft anzweifeln.

MAX VERSTAPPEN: Der freche Holländer hat ein Kaugummi-Rennen mit zwei zwischenzeitlichen Abbrüchen und 31 (!) von 71 Runden hinter dem Safety-Car erst spannend gemacht. Zig Überholmanöver - darunter eines aus dem Lehrbuch gegen Rosberg - und ein irrer Speed zeigten einmal mehr, dass in dem 19-Jährigen ein kommender Weltmeister steckt. Wäre er im Reifenpoker cleverer gewesen, hätte "Mad Max" sogar seinen zweiten Sieg feiern können. Es wird nicht mehr lange dauern.

SEBASTIAN VETTEL: Fünfter im Qualifying, Fünfter im Rennen. Dazwischen ein kapitaler Fahrfehler und wieder einmal laute Unmutsäußerungen im Boxenfunk. Irgendwie kann man die Rennen von Sebastian Vettel in diesem Jahr gegeneinander austauschen. Überhaupt wirkt die ganze Saison 2016 beim Ferrari-Star wie ein biederes Einheitsgrau. Auch wenn das Auto nicht gut ist: Die Extraklasse des viermaligen Weltmeisters ist schon lange nicht mehr aufgeblitzt.

NICO HÜLKENBERG: War wie eigentlich immer in Brasilien gut unterwegs. Lag in seinem vorletzten Rennen für Force India auf Platz vier, als Trümmerteile des Wracks von Kimi Räikkönens Ferrari seinen Reifen und damit seine großen Ambitionen zerstörten. Das Warten auf das erste Podium der Karriere geht weiter. Vielleicht klappt es ab 2017 bei Renault. Das Talent hat er jedenfalls.

PASCAL WEHRLEIN: War am Donnerstag schwer getroffen, als sein Manor-Teamkollege Esteban Ocon ihm das Force-India-Cockpit wegschnappte, das Hülkenberg frei macht. Seine Trotzreaktionen waren gemischt: Im Qualifying besser als Ocon und als die Sauber. Im Rennen als Vorletzter im Ziel, während Felipe Nasr für Sauber zwei Punkte holte. So fährt Wehrlein nun beim Letzten der Konstrukteurs-WM - und muss froh sein, wenn er 2017 noch dort beschäftigt ist.

FERNANDO ALONSO: Spätestens seit Freitag scheint der zweimalige Weltmeister als Social-Media-Star höher im Kurs zu stehen als in seiner Rolle als Pilot. Bemerkenswert, wie der Spanier den erneuten Technik-K.o. seines McLaren im freien Training wegsteckte. In Anlehnung an sein arrogant wirkendes Sonnenbad aus dem Vorjahr an gleicher Stelle griff er wieder zum Klappstuhl - nur in sympathisch. Alonso trug die Situation erst mit Fassung, ließ sich dann nieder und bediente breit grinsend eine Fernsehkamera. Dabei wurde bei allem Humor aber eines deutlich: Der ganz große Ehrgeiz hat den Spanier, der zu oft in seiner Karriere am falschen Ort war, offenbar verlassen. Auch irgendwie schade.

FELIPE MASSA: Große Emotionen begleiteten den Lokalmatadoren an seinem vorletzten Rennwochenende. Ein "Obrigado" auf dem Heckflügel, ein "Massa" anstelle des Sponsorenschriftzugs auf seinem Williams, Overall und Helm in Landesfarben, am Ende noch ein ausgiebiges Bad in der Menge - das Rennfahren wurde für den 35-Jährigen fast zur Nebensache: Der Vizeweltmeister von 2008 schied nach einem Fahrfehler aus. Es wird bei aller Sympathie tatsächlich Zeit zu gehen.

BRASILIEN: Die Boxengasse wurde renoviert, das Pressezentrum ebenfalls - auf Wunsch von Bernie Ecclestone und des Dachverbandes FIA. Dennoch sprach der Formel-1-Promoter unverblümt aus, dass es im nächsten Jahr schon sehr eng werden kann für das Traditionsrennen in Interlagos. Ein weiterer mystischer Ort der Formel 1 würde verschwinden, doch dem Land kann eine Pause nach den Kostenfallen Fußball-WM 2014 und Olympia 2016 nur gut tun. Die Tribünen waren leerer als sonst, der Zuspruch der Fans lässt immer weiter nach.