Berlin (SID) - Der Deutsche Skiverband (DSV) fordert nach den jüngsten Dopinganschuldigungen gegen die russischen Biathleten vom Weltverband IBU ein hartes Durchgreifen. "Die Namen und Informationen müssen jetzt sorgfältig geprüft werden, um mit aller Konsequenz handeln zu können", sagte Verbandssprecher Stefan Schwarzbach dem SID: "Der Leistungssport wird ad absurdum geführt, wenn Nationen flächendeckend die Regeln brechen."

Der Verband warnte jedoch zugleich vor vorschnellem Handeln und Selbstjustiz. "Man muss der IBU die Zeit geben, das sauber und sorgfältig aufzuarbeiten. Das heißt aber natürlich nicht, dass man diese Thematik verschleppen darf. Alle im Biathlon wissen, was die Uhr geschlagen hat", sagte Schwarzbach. Es sei jedoch "absolut verständlich, dass man jetzt Aufklärung haben will".

Am Freitag hatte Weltcup-Dominator Martin Fourcade den Druck auf die IBU-Führung erhöht. Am Rande des Weltcups in Nove Mesto drohte der Franzose dem Weltverband mit Boykott: "Wenn der Verband nicht genügend Mut zur Bewältigung des Problems hat, müssen die Athleten selbst aktiv werden."

31 Biathleten sowie weitere Skilangläufer gehören zu den dopingverdächtigen Athleten aus Russland, die Ermittler Richard McLaren in seinen Untersuchungen zum Doping-Skandal belastet. Dies hatten der Ski-Weltverband FIS und die Internationale Biathlon-Union (IBU) erst am Donnerstag bestätigt. Die IBU gründete daraufhin eine fünfköpfige Expertengruppe, die sich der Fälle annehmen und den Weltverband beraten soll. Der Bericht der Experten wird der IBU am 22. Dezember vorgelegt.

Bereits jetzt wird aber über mögliche Konsequenzen spekuliert. Diese könnten beispielsweise ein Entzug der WM 2021 oder des Weltcups im Frühjahr 2017 im westsibirischen Erdölzentrum Tjumen sein. Der DSV bezog dazu noch keine klare Stellung. "Wir müssen jetzt abwarten, was der Weltverband entscheidet, dann werden wir von Seiten des Deutschen Skiverbandes eine Position beziehen, eventuell auch mit anderen Nationen gemeinsam", sagte Schwarzbach. 

Die Zurückhaltung rührt auch daher, dass dem DSV derzeit weder die Namen der beschuldigten russischen Athleten noch andere Details zu den Fällen bekannt sind. "Wir haben von den 31 Fällen selbst erst aus den Medien erfahren und kennen keine Namen. Die Nachrichtenlage ist auch für uns recht unklar", sagte Schwarzbach.