Lausanne (SID) - Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will sich zu den umstrittenen Einreisedekreten von US-Präsident Donald Trump nicht offiziell äußern. "Das IOC kommentiert die Politik souveräner Staaten nicht", teilte ein IOC-Sprecher auf SID-Anfrage am Sonntagmorgen mit.

Trump hatte verfügt, dass Bürger aus Iran, Sudan, Syrien, Libyen, Somalia, Jemen und Irak in den nächsten 90 Tagen nicht mehr in die USA einreisen dürfen. Flüchtlingen wird in den nächsten 120 Tagen die Aufnahme verweigert. Flüchtlinge aus Syrien dürfen auf unbestimmte Zeit nicht in die USA einreisen. 

Ein Vorzeigeprojekte des IOC ist das Flüchtlingsteam. Zehn Flüchtlinge waren bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro unter Olympischer Flagge gestartet. 

Ein IOC-Mitglied meldete sich mit harscher Kritik am Trump-Dekret zu Wort. Der Beschluss "läuft den olympischen Idealen total zuwider", sagte Richard Peterkin (68) von der Karibikinsel St. Lucia. Er bezeichnete das Dekret als "sehr, sehr enttäuschend".

Peterkin betonte, dass die Abschottungspolitik Trumps unmittelbare Konsequenzen für die Bewerbung von Los Angeles um die Olympischen Spiele 2024 haben könnte. "Bei IOC-Mitgliedern weltweit macht sich das Gefühl breit, dass Amerika ein Land ist, das andere herumschubst. Wird diese 'America-First'-Politik so fortgesetzt, werden einige die Bewerbung einfach nicht unterstützen, auch wenn das NOK der USA nichts mit dem Präsidenten zu tun hat", sagte Peterkin dem Deutschlandfunk. 

Die Entscheidung über den Austragungsort der Spiele in sieben Jahren fällt im September in Lima. Los Angeles' Konkurrenten sind Paris und Budapest.

Los Angeles' Bürgermeister Eric Garcetti, schon vor der Präsidentenwahl ein Gegner Trumps, kritisierte die Entscheidung des US-Präsidenten scharf. "Eines der bedeutendsten Vermächtnisse Amerikas in der Welt ist die Willkommenskultur für Menschen, die an unseren Küsten ankommen, um den Schrecken des Krieges, der Unterdrückung und der Verfolgung zu entgehen", sagte Garcetti. Der Präsidentenbeschluss ziele "unfair auf Flüchtlinge". Los Angeles werde "immer ein Ort der Zuflucht" bleiben.