Paris (SID) - Bittere Pleite für Angelique Kerber: Die topgesetzte Kielerin ist bei den French Open in Paris schon in der ersten Runde ausgeschieden und hat ihre Negativserie fortgesetzt. Die zweimalige Grand-Slam-Siegerin musste sich in ihrem Auftaktmatch der Russin Jekaterina Makarowa (WTA-Nr. 40) in 1:22 Stunden klar mit 2:6, 2:6 geschlagen geben. 

In der Open Era hatte noch nie zuvor in Roland Garros die Topgesetzte die zweite Runde verpasst. Insgesamt war es erst das fünfte Mal bei einem Major-Event seit 1968, dass die topgesetzte Spielerin schon in der ersten Runde ausschied. Durch ihren frühen K.o. könnte Kerber am Ende der French Open die Spitze der Weltrangliste verlieren.

Kerber zeigte sich auf dem Court Philippe Chatrier erneut formschwach und bestätigte die Eindrücke der vergangenen Wochen. Beim Vorbereitungsturnier in Rom hatte die Weltranglistenerste gleich gegen die Qualifikantin Anett Kontaveit aus Lettland (4:6, 0:6) verloren und dabei die letzten acht Spiele in Folge abgegeben. "So kann es nicht weitergehen, das weiß sie am besten", sagte Eurosport-Experte Boris Becker nach dem Debakel in Paris.

Im Linkshänderinnen-Duell mit Makarowa, Australian-Open-Halbfinalistin von 2015, wehrte sich Kerber zwar nach Kräften, doch wie so oft agierte sie zu passiv und wirkte frustriert. Nur fünf direkte Gewinnschläge gelangen der amtierenden US-Open-Siegerin im ersten Satz - von ihrer Galaform 2016 war sie erneut weit entfernt.

Symptomatisch, dass Kerber mit einem leichten Vorhandfehler ins Netz den ersten Satz nach nur 33 Minuten abgeben mussten. Von den vorherigen elf Partien gegen die solide Makarowa hatte die Kielerin immerhin sieben gewonnen.

Auch in der Folge geriet die zuletzt von Oberschenkelproblemen geplagte Kerber nach zwei Breaks schnell mit 0:3 in Rückstand. Unmittelbar danach gelang ihr der erste Spielgewinn im zweiten Satz. Zur Wende reichte es aber nicht mehr, obwohl das Match ausgeglichener wurde. Auch in ihrer Traumsaison 2016 war die 29-Jährige in Paris gleich zu Beginn an der Niederländerin Kiki Bertens gescheitert. 

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich Boris Becker für eine Zusammenarbeit zwischen Kerber und Steffi Graf ausgesprochen. "Wenn sich jemand mit Druck und der Nummer-eins-Bürde auskennt, dann ist es die Gräfin. Steffis Tipps sind immer gut und werden nie alt. Sie weiß, von was sie spricht", sagte der dreimalige Wimbledonsieger und Eurosport-Experte Becker im SID-Interview: "Angie sollte sich vielleicht häufiger ein paar Ratschläge bei Steffi holen."