Monza (SID) - Was steh an?

Mit dem 13. WM-Lauf auf dem traditionsreichen Kurs des Autodromo Nazionale di Monza nimmt die Formel 1 am Sonntag (14 Uhr/RTL und Sky) für dieses Jahr Abschied von Europa. Anschließend zieht der PS-Zirkus für jeweils drei Rennen weiter nach Ostasien und Amerika, ehe spätestens beim Finale Ende November in Abu Dhabi der Nachfolger des zurückgetretenen Weltmeisters Nico Rosberg ermittelt wird. Er wird wohl Sebastian Vettel (220 WM-Punkte) oder Lewis Hamilton (213) heißen. Hamiltons Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas (179) hat wohl nur noch Außenseiterchancen.

Wer gewinnt?

Vor wenigen Tagen noch hätte man Mercedes ohne Wenn und Aber auf den Favoritenschild heben müssen. Doch die starke Leistung von Vettel beim Rennen im belgischen Spa hat mehr als nur angedeutet, dass Ferrari auch auf Powerstrecken mit den Silberpfeilen mithalten kann. Ferrari will zudem ein Motorenupdate zum Heimspiel an den Start bringen. Hinzu kommt, dass ganz Monza in Rot getaucht sein wird. Die Ferrari-verrückten Tifosi sind die enthusiastischsten Fans des Jahres, die Sympathien dürften WM-Spitzenreiter Vettel nach dessen Treuebekenntnis zur Scuderia bis 2020 mehr denn je zufliegen. Ferrari wartet allerdings seit 2010 (Fernando Alonso) auf einen Heimsieg, in den vergangenen drei Jahren war jeweils Mercedes erfolgreich. Vettel und Hamilton gewannen je dreimal im berühmten Königlichen Park, Rekordsieger ist Michael Schumacher mit fünf Erfolgen.

Übertrifft Hamilton in Monza den Pole-Rekord von Michael Schumacher?

Das ist gut möglich, denn der Silberpfeil war zuletzt auf Hochgeschwindigkeitsstrecken im Qualifying immer einen Tick stärker als im Rennen. Zudem ist Hamilton ein echter Spezialist im Kampf gegen die Uhr auf eine Runde. Im Schnitt stellte der Engländer seinen Boliden in rund jedem dritten Rennen auf Startplatz eins. Die Egalisierung des lange unerreichbar scheinenden Schumacher-Rekords in Spa durch seine 68. Pole wird für Hamilton nur eine Durchgangsstation sein.

Welchen Formel-1-Rekord will Nico Hülkenberg am Sonntag am liebsten nicht einstellen?

Der Renault-Pilot aus Emmerich hat bereits 127 Rennen absolviert, ohne auch nur einmal das Podium zu erklimmen. Den Rekord in dieser Kategorie hält Adrian Sutil (Gräfelfing), der zwischen 2007 und 2014 in 128 Formel-1-Rennen nicht unter die Top drei kam.

Wer ist noch zu beachten?

Pascal Wehrlein fährt um seine Zukunft in der Königsklasse. Nach Ansicht des Worndorfers ist sein Aus beim Sauber-Rennstall zum Saisonende besiegelt. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sucht bereits auf Hochtouren nach einer anderen Option in der Formel 1 für seinen Nachwuchspiloten. Überhaupt nimmt das Fahrerkarussell rasant an Fahrt auf: Ex-Weltmeister Alonso dürfte kaum bei McLaren-Honda bleiben, Max Verstappen ist trotz Vertrags zunehmend unzufrieden bei Red Bull, dazu hält die mögliche Rückkehr von Robert Kubica zu Renault die Formel 1 in Atem. Peu à peu werden die Plätze für 2018 vergeben. Nur ein Top-Cockpit ist vakant - doch die Vertragsverlängerung von Bottas bei Mercedes scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein.