Schwerin (SID) - DDR-Dopingopfer sind einer neuen Studie zufolge von weit schlimmeren Spätfolgen betroffen als bisher angenommen und haben eine bis zu 15 Jahre geringere Lebenserwartung. Dies ist ein Zwischenergebnis einer von der Universität Greifswald und den Helios-Kliniken Schwerin durchgeführten Untersuchung.

Dabei bezogen die Wissenschaftler die Datenbank des Doping-Opfer-Hilfevereins (DOH), Fragebogen sowie Gutachtergespräche in ihre Studie mit ein. "Eine solche Datenmenge hat es in dieser Fülle noch nicht gegeben", sagte Chefarzt Jochen-Friedrich Buhrmann. 

Ebenso fand die Studie heraus, dass Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei DDR-Dopingopfern fünfmal häufiger auftreten als im Bevölkerungsdurchschnitt. Auch Depressionen und Schmerzstörungen seien vermehrt zu beobachten. Bisher haben sich 1350 Geschädigte des DDR-Staatsdopingsystems beim DOH gemeldet. Insgesamt wird von 15.000 Betroffenen ausgegangen.

2016 wurde das 2. Dopingopfer-Hilfegesetz vom Deutschen Bundestag beschlossen und inzwischen bis Ende 2018 verlängert. Demnach erhalten offizielle Dopingopfer des DDR-Sports vom Bund eine Einmalzahlung von 10.500 Euro aus einem Hilfsfonds von 10,5 Millionen Euro. Die Betroffenen müssen anhand medizinischer Gutachten beweisen, dass ihre Schädigung zu mehr als 50 Prozent auf Doping im DDR-Sport zurückzuführen ist.

Allerdings haben viele Dopingopfer mit dem Verfahren Probleme. Oftmals seien die ehemaligen Sportler nicht an beweiskräftige Akten und Gutachten gekommen.