Stuttgart (SID) - Finanzielle Anreize und Machenschaften erschweren nach Ansicht des zweimaligen Europameisters Jürgen Spieß (Speyer) im Gewichtheben den Anti-Doping-Kampf. "Das ist das Problem des Dopings ja auch: Es regelt sich über das Geld", sagte der 33-Jährige vor der am Dienstag beginnenden WM in Anaheim in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung.

Anders als in Deutschland wäre für Rivalen im Ausland Doping ein durchaus vertretbares Risiko im Vergleich zu den lukrativen Verdienstmöglichkeiten. "In Weißrussland kann man mit Gewichtheben Millionär werden. Da kann man sich dann sagen, das Risiko, erwischt zu werden, gehe ich ein. Wenn ich jedes Jahr zwei Millionen Euro verdiene, ist es super, so lange es gut geht", sagte Spieß.

Von den Funktionären fühlt sich der EM-Fünfte weitgehend im Stich gelassen. "Wir werden nur beschissen, und der Weltverband ist untätig", beschrieb Spieß seine Gefühlslage beim Blick auf die zaudernden Reaktionen der IWF. Man wachse zwar im Bewusstsein der ungleichen Möglichkeiten auf, doch habe man "immer mal wieder Momente, in denen man Hass aufbaut und sich denkt: Das gibt es doch gar nicht! Warum tut sich da nichts?"

Die im Spätsommer verhängte Sperre gegen Russland, China und sieben weitere Nationen wegen massiver Dopingverstöße empfindet Spieß immerhin als befriedigend - teilweise jedenfalls: "Es ist ein sehr gutes Gefühl. Aber es gibt noch andere Länder, bei denen man ein schlechtes Gefühl hat. Skeptisch muss man immer sein."