Cottbus (SID) - Sie warf Kusshände ins Publikum und konnte ihren Triumph kaum fassen: Mit ihrem Sieg am Sprung beim Turnier der Meister in Cottbus hat Oksana Chusovitina zum wiederholten Male Kunstturn-Geschichte geschrieben. Die mittlerweile 42 Jahre alte Usbekin ist nun die älteste Weltcupsiegerin der bisherigen Historie dieses Wettbewerbs, die bis ins Jahr 1975 zurückreicht, dem Geburtsjahr von "Chuso".

Die Ausnahmeleistung von Chusovitina stellte sogar den Sieg von Elisabeth Seitz am Stufenbarren ein wenig in den Schatten. Am Ende einer strapaziösen Saison präsentierte sich die Stuttgarterin erstaunlich frisch und erhielt zurecht für ihre Weltklasseübung am Doppelreck 14,900 Zähler.

Die 1550 Zuschauer in der ausverkauften Lausitz-Arena konnten es angesichts dieser Highlights verschmerzen, dass Schwebebalken-Weltmeisterin Pauline Schäfer einen Ruhetag einlegte. Die Chemnitzerin hatte für Sprung und Stufenbarren nicht gemeldet, steht aber am Sonntag (14.00 Uhr) in den Endkämpfen am Balken und am Boden.

"Cottbus ist für mich fast schon eine zweite Heimat geworden", sagte Chusovitina, die in Bergisch Gladbach lebt und von 2006 bis 2012 für den Deutschen Turner-Bund (DTB) an die Geräte ging. In Cottbus war es seit 1989 der 15. Auftritt der Mutter eines 18-jährigen Sohnes.

Am Boden ging der Sieg an den Slowenen Rok Klavora, der Chinese Wang Junwen setzte sich am Pauschenpferd durch. An den Ringen triumphierte Igor Radiwilow aus der Ukraine.

Die übrigen deutschen Gerätartistinnen hatten mit der Medaillenvergabe nichts zu tun. Vierte wurde die Berlinerin Michelle Timm beim Sprung, ihr Freund Marcel Nguyen (Unterhaching) wurde Fünfter an den Ringen, drei Plätze vor dem Hannoveraner Andreas Toba.

Neben Schäfer, die am Samstag in ihrer Wahlheimat Chemnitz einer Autogrammstunden-Verpflichtung nachkam, haben die Gastgeber am Sonntag weitere Chancen auf Medaillengewinne. Andreas Bretschneider, Lebenspartner der Weltmeisterin, könnte am Reck seinen vierten Titel in der Lausitz nach 2013, 2014 und 2016 gewinnen. Am Barren steht der zweimalige Europameister Nguyen im Finale.