Berlin (SID) - Der neue Schmeling wollte Manuel Charr werden. Zum Box-Weltmeister reichte es sogar irgendwie, aber damit ging der Ärger erst richtig los. Tagelang ließ sich der 33-jährige im November als erster deutscher Schwergewichts-Champion seit Schmeling 1932 feiern. Doch plötzlich kam heraus: Charr hat gar keinen deutschen Pass.

Mehrfach beteuerte der vor 28 Jahren aus seinem Geburtsland Libanon geflüchtete Charr öffentlich, über ein gültiges deutsches Ausweisdokument zu verfügen. Es liege seit eineinhalb Jahren auf dem Amt. Nur abgeholt hatte er den Pass noch nicht, immerhin hatte er nach einem lebensbedrohlichen Attentat 2015 lange im Krankenhaus gelegen. 

Vier Tage nach dem Gewinn des WBA-Titels gegen den Russen Alexander Ustinow gab Charr dem medialen Druck nach. Die Schuld am Wirbel schob er seinen Anwälten zu, die ihn falsch informiert hätten. Bis zu seiner ersten Titelverteidigung im März will Charr die Einbürgerung vollzogen haben. Wegen seiner kriminellen Vergangenheit ist dies jedoch ziemlich unwahrscheinlich.