Köln (SID) - Die psychologische Betreuung der deutschen Fußball-Profiteams ist "weiterhin unzureichend". Zu diesem Urteil kommt die Spielergewerkschaft Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV) nach einer Befragung von Akteuren aus der Bundesliga, der 2. Bundesliga und 3. Liga. Rund 60 Prozent der Befragten gaben demnach an, dass ihre Profimannschaft gegenwärtig überhaupt nicht sportpsychologisch betreut werde.

"Aus internationalen Studien und aus unserer täglichen Arbeit wissen wir, dass viele aktive und ehemalige Profis unter Symptomen von psychischen Erkrankungen wie Depression oder Angststörungen leiden", sagte VDV-Vizepräsident Christoph Metzelder. Der frühere Spieler von Borussia Dortmund und Schalke 04 hat kein Verständnis für die schleppende Entwicklung und fordert zeitnahe Verbesserungen: "Insbesondere nach dem tragischen Tod von Robert Enke wurden von Spitzenfunktionären Verbesserungen in Aussicht gestellt." Geschehen sei aber nur wenig. Einige Klubs hätten zwischenzeitlich in den Profiteams beschäftigte Sportpsychologen sogar wieder entlassen.

Nur bei knapp 15 Prozent der Profimannschaften kümmert sich laut der Studie ein Psychologe vor Ort permanent um die psychische Gesundheit und um die mentale Leistungsfähigkeit der Profis. Bei jeder vierten Profimannschaft gibt es den Ergebnissen zufolge zumindest für Fragen der Spieler externe Ansprechpartner, die temporär vor Ort sind. Dazu zählen auch Sportpsychologen, die für das jeweilige Nachwuchsleistungszentrum der Klubs tätig sind. 

Ähnliche Resultate hatte eine Umfrage der VDV bereits im Jahr 2012 hervorgebracht. Schon damals forderten fast alle befragten Profis eine verpflichtende sportpsychologische Betreuung in den Profiteams sowie eine externe Anlaufstelle, da es eine große Hemmschwelle gebe, sich mit ernsthaften psychischen Problemen an den eigenen Klubpsychologen zu wenden.

Als Anlaufstelle für Fragen zur psychischen Gesundheit und zur schnellen Vermittlung von Hilfe vor Ort hat die VDV vor einigen Jahren gemeinsam mit der Robert-Enke-Stiftung und der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) an der Deutschen Sporthochschule in Köln die sportpsychologische Netzwerkinitiative "Mental Gestärkt" ins Leben gerufen. Das Angebot richtet sich insbesondere an Spitzensportler sowie an Top-Talente und deren Familien.