Jerusalem (dpa) - Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat den Streit mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu für beendet erklärt. "Das Thema ist, glaube ich, ausgeräumt", sagte Gabriel nach einem Treffen mit Netanjahu vor Journalisten in Jerusalem.

Gleichzeitig betonte Gabriel, dass Meinungsverschiedenheiten, die vor neun Monaten zu einem Eklat führten, weiter bestehen. "Ich nehme an, dass Ministerpräsident Netanjahu seine Reaktion heute immer noch rechtfertigen würde", sagte Gabriel. Im vergangenen April hatte Netanjahu einen Termin mit Gabriel platzen lassen, weil der nicht bereit war, auf ein Treffen mit regierungskritischen Organisationen zu verzichten.

"Ich fand das damals angemessen, eine Verabredung mit der Zivilgesellschaft nicht einfach abzusagen", sagte Gabriel. Es gebe aber viele Themen, in denen er mit Netanjahu einer Meinung sei.

Zum jüngsten Jerusalem-Streit sagte Gabriel, aus deutscher und europäischer Sicht müsse der Status der Stadt in Verhandlungen zwischen Palästinensern und Israelis geklärt werden. Im Rahmen einer Friedensregelung müsse es zwei Staaten geben - Israel und Palästina. Jerusalem könne für beide Staaten die Hauptstadt sein.

Die einseitige Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt durch die USA habe dazu geführt, dass die Palästinenser die Vereinigten Staaten nicht mehr als ehrlichen Vermittler und als parteiisch ansehen. Ohne die USA seien Fortschritte beim Friedensprozess jedoch unmöglich, betonte Gabriel. Man werde versuchen, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas davon zu überzeugen, Verhandlungen zuzustimmen, "wenn die Amerikaner ein Vermittlungsangebot auf den Tisch legen".