Bremen (dpa) - Mit einem glücklichen Sieg im 108. Nordderby hat Werder Bremen die Krise beim Hamburger SV dramatisch verschärft.

Die Bremer gewannen mit 1:0 (0:0) und vergrößerten damit den Abstand auf den hanseatischen Erzrivalen auf neun Punkte. Der HSV wartet damit unter Trainer Bernd Hollerbach weiter auf den ersten Sieg und hat nun bereits sieben Zähler Rückstand auf den FSV Mainz 05 auf dem Relegationsplatz. "Es war ein Rückschlag. Trotzdem haben wir noch eine Restchance", sagte HSV-Vorstandschef Heribert Bruchhagen.

Vor 42.100 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion erzielte der Hamburger Rick van Drongelen mit einem Eigentor in der 86. Minute den Siegtreffer für die Bremer, die damit auf Rang 14 kletterten. "Heute Abend gegen den HSV zu gewinnen, das war sehr wichtig für uns", sagte der eingewechselte Bremer Stürmer Ishak Belfodil.

Allerdings ging dem Treffer eine abseitsverdächtige Position von Belfodil voraus, was anschließend für Aufregung bei den Hamburgern sorgte. "Wenn man das nicht sieht, sagt das einiges über die Qualität der Leute aus, die in Köln sitzen", schimpfte Heribert Bruchhagen mit Blick auf den Video-Assistenten. "Es ist bitter, dass wir nach so einem Tor verlieren im Ende", sagte André Hahn. Schiedsrichter Felix Zwayer erklärte, Belfodil sei im Moment des Abspiels auf Höhe des Balles gewesen. "Am Ende ist eine korrekte Entscheidung getroffen worden und das Tor ist korrekt erzielt worden", sagte er.

Die insgesamt schwache Partie musste zweimal unterbrochen werden, weil HSV-Anhänger Feuerwerkskörper gezündet hatten. Vor dem als Hochrisikospiel eingestuften Nachbarschaftsduell war es rund um das Weserstadion nach Angaben der Polizei noch ruhig geblieben. Im Stadion fielen einige HSV-Anhänger dann aber aus der Reihe. Weil sie unmittelbar nach dem Anpfiff Bengalos und Feuerwerkskörper zündeten, unterbrach Schiedsrichter Zwayer die Begegnung für rund eine Minute. Danach blieb es beim Vergleich der beiden Erzrivalen auf den Rängen erst einmal ruhig.

Doch auch auf dem Rasen passierte lange Zeit rein gar nichts. Die Bremer agierten vor heimischer Kulisse erstaunlich passiv, konnten sich gegen die dicht gestaffelte Hamburger Defensive kaum in Szene setzen. Ein Schuss von Maximilian Eggestein nach einer Viertelstunde - das war alles, was die Grün-Weißen zustande brachten. Werder-Coach Florian Kohfeldt fuchtelte an der Seitenlinie immer wieder wild mit den Armen. Emotionalität und Körpersprache seines Teams gefielen dem Bremer Trainer überhaupt nicht.

Der HSV, der auf Albin Ekdal und Lewis Holtby verzichten musste, zeigte sich im Vergleich zu den Vorwochen dagegen verbessert und erarbeitete sich vor der Pause phasenweise sogar ein leichtes Übergewicht. Doch richtig zwingend wurde der wankende Bundesliga-Dino auch nicht. Die beste Gelegenheit vergaben André Hahn und Gideon Jung in der 24. Minute, als sie den Ball im Werder-Strafraum verstolperten.

Unruhig wurde es danach erst wieder kurz vor der Pause, als Zwayer die Partie erneut unterbrechen musste, weil aus dem HSV-Block Feuerwerkskörper abgeschossen wurden. Auf dem Platz passierte dagegen nichts mehr, beide Teams zeigten eindrucksvoll, warum das Derby anders als so oft in der Vergangenheit dieses Mal nicht an der Tabellenspitze, sondern im Abstiegskampf stattfand.

Nach dem Seitenwechsel kamen die Bremer deutlich schwungvoller aus der Kabine. Nun bauten die Gastgeber jenen Druck auf, den sich Kohfeldt von Anfang an erhofft hatte. Doch der Elan verpuffte schnell wieder. Beide Mannschaften neutralisierten sich im Mittelfeld und rieben sich in unzähligen Zweikämpfen auf. Hochkarätige Chancen gab es dagegen kaum, ehe nach einer Hereingabe von Aron Johannsonn van Drongelen und Beldodil im Strafraum gemeinsam zum Ball gingen und der Hamburger den Ball zum glücklichen Werder-Sieg ins Tor lenkte.

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