Hannover (dpa) - Über eine Umbenennung der Emmich-Cambrai-Kaserne in Hannover war bereits vor sechs Jahren diskutiert worden.

Erst nach dem Skandal um den rechtsextremen Soldaten Franco A. im vergangenen Jahr und der Diskussion über das Traditionsverständnis der Bundeswehr kommt es nun aber am Mittwoch zum Namenswechsel.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) benennt die Kaserne nach einem in Hannover stationierten und in Afghanistan gestorbenen Feldjäger in Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne um. Damit trägt eine Kaserne erstmals den Namen eines im Auslandseinsatz getöteten Bundeswehrsoldaten. Zuvor will die Ministerin den neuen Traditionserlass der Bundeswehr unterzeichnen.

"Lagenstein steht für die Bundeswehr von heute", sagte von der Leyen den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Mittwoch).Es werde ein geachteter und hoch professioneller Soldat geehrt. "Er kannte die Gefahr seines Berufes und er hat sich mit seinem Leben für die Verteidigung unserer Freiheit und unserer Werte eingesetzt. Das ist ein Vorbild für unsere jungen Soldaten."

Beifall kommt vom Wehrbeauftragten des Bundestags: "Das ist ein gutes Symbol", sagte Hans-Peter Bartels (SPD) der "Rheinischen Post" (Mittwoch). Die vorherige Bezeichnung habe nicht mehr in die Zeit gepasst.

Anders als bei den bundesweit gut 20 weiteren Kasernen mit strittigen Namen hatte der bisherige Namensgeber in Hannover nicht in der Wehrmacht gedient. Der erste Teil des bisherigen Namens erinnert an den preußischen General Otto von Emmich, dessen Rolle beim deutschen Einmarsch in Belgien im Ersten Weltkrieg umstritten ist. Cambrai ist der Name der nordfranzösischen Stadt, die im Ersten Weltkrieg von deutschen Truppen besetzt wurde und wo es die erste größere Panzerschlacht gab.

Als Zeichen für einen neuen Umgang der Bundeswehr mit ihrer Tradition hatte von der Leyen im vergangenen Jahr die Umbenennung von Kasernen mit den Namen von Wehrmachtsoffizieren angekündigt. Solche Pläne stießen vor Ort bislang häufig nicht auf Unterstützung, in Niedersachsen etwa in Rotenburg und Delmenhorst.

In Rotenburg hätten sich sowohl die Soldaten des Standorts als auch der Stadtrat gegen eine Umbenennung der Lent-Kaserne ausgesprochen, erklärte Bürgermeister Andreas Weber (SPD). Namensgeber ist der von der Wehrmacht gefeierte Weltkriegsflieger Helmut Lent (1918-1944), der dem NS-Regime auch als Propagandafigur diente. Eine Informationstafel solle an der Kaserne über die Hintergründe aufklären und dem kritischen Umgang mit der Geschichte dienen, sagte Weber zu den Wünschen der Stadt. Nun aber rechnet er in den nächsten Wochen mit einer Entscheidung des Verteidigungsministeriums zum weiteren Umgang mit dem Namen.

Auch in Delmenhorst hatten Stadt und Soldaten vor Ort bislang gegen einen Namenswechsel für die Feldwebel-Lilienthal-Kaserne votiert, die nach dem Panzerjäger und Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes, Diedrich Lilienthal (1921-1944), benannt ist. Von neuen Plänen des Ministeriums war der Stadt zunächst nichts bekannt.

Die Stadt Hannover indes befürwortet den anstehenden Namenswechsel ausdrücklich. Die Herausstellung militärischer Erfolge in beiden Weltkriegen entspreche nicht mehr dem heutigen Wertebezug der Bundeswehr, hieß es in der Beschlussdrucksache des Rathauses. Die in Hannover stationierten Bundeswehrangehörigen selber hätten sich daher für eine Umbenennung nach ihrem gefallenen Kameraden ausgesprochen. Ein früherer Anlauf zu einer Umbenennung verlief 2012 noch im Sande.

Mit der Kasernenumbenennung wird dem aus dem niedersächsischen Wildeshausen stammenden Hauptfeldwebel Lagenstein nun ein dauerhaftes Gedenken in Hannover gesetzt.