Münster (dpa) - Nach der Amokfahrt in Münster mit drei Toten sind einige der mehr als 20 verletzten Opfer weiterhin in Lebensgefahr. Ihr Zustand hat sich nach Angaben der Polizei über Nacht nicht verändert.

Es gebe keine weiteren Todesfälle, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntagmorgen. Die Ermittler suchen derweil weiter nach Motiv und Hintergründen für das Verbrechen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wollen am Mittag (12.15 Uhr) über den Stand der Ermittlungen informieren. Dann soll auch Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) dabei sein.

In einer gemeinsamen Presseerklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei in Münster hieß am frühen Morgen: "Bislang liegen keine Hinweise auf einen möglichen Hintergrund für die Tat vor. Die Ermittlungen werden mit Hochdruck und in alle Richtungen geführt." Dies erneuerte eine Polizeisprecherin am Vormittag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte am Samstagabend gesagt: "Es spricht im Moment nichts dafür, dass es einen islamistischen Hintergrund gibt." Nach dpa-Informationen handelte es sich womöglich um einen psychisch labilen Einzeltäter.

Um 15.27 Uhr am Samstag hatte ein Mann einen silberfarbenen Campingbus im Zentrum von Münster in eine Menschengruppe vor einer beliebten Gaststätte gefahren und sich danach im Wagen erschossen.

Die Polizei schleppte das Tatfahrzeug inzwischen ab. Noch am Vormittag sollten Journalisten an den Tatort gelassen werden - dieser war bislang von der Polizei streng abgesperrt worden.

Zum mutmaßlichen Täter ist folgendes bekannt: "Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen handelt es sich bei dem Fahrer vermutlich um einen 48-jährigen Mann aus Münster", erläuterte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. Nach Informationen von "faz.net" stammt der Mann aus Olsberg im Sauerland. Er habe schon lange in Münster nahe des Tatorts gelebt.

Die Polizei identifizierte inzwischen die beiden Todesopfer. Laut Staatsanwaltschaft und Polizei handelt es sich um eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg und einen 65-jährigen Mann aus dem Kreis Borken. In der Uniklinik gab es außerdem mehrere Notoperationen. Insgesamt würden vier Schwerstverletzte behandelt, sagte eine Sprecherin.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Amokfahrers fand die Polizei eine nicht brauchbare Maschinenpistole vom Typ AK47, wie es hieß. Die Beamten hätten nur eine Dekorationswaffe und Feuerwerkskörper gefunden. Spezialisten hätten aus Sicherheitsgründen die Wohnungstür aufgesprengt, bevor die Beamten die Räume hätten untersuchen können. Am Samstagabend waren in Münster wiederholt Explosionsgeräusche zu hören gewesen.

Auch unmittelbar nach der Amokfahrt hatten sich die Einsatzkräfte dem Campingbus mit großer Vorsicht genähert, da Beamte Drähte sahen, die ins nicht einsehbare Fahrzeuginnere führten.

Experten des Landeskriminalamts aus Düsseldorf hätten dann das Fahrzeug auf mögliche Gefahren ausgiebig untersucht und letztlich Entwarnung gegeben. Ermittler fanden im Wagen die Waffe, mit der sich der Täter erschossen hatte, sowie eine Schreckschusswaffe und rund ein Dutzend Feuerwerkskörper.

Die Polizei lobte das besonnene Verhalten der Menschen. "Die Polizei konnte die notwendigen Maßnahmen schnell und reibungslos treffen", erklärte der Einsatzleiter, Polizeidirektor Martin Fischer. "Alle haben sich vorbildlich verhalten und den Tatortbereich sehr schnell verlassen."

Das Bundeskriminalamt richtete im Internet für Zeugen ein Hinweisportal ein: Unter der Adresse https://www.bka-hinweisportal.de/ könnten Videos oder Fotos, die im Zusammenhang mit der Tat stehen, hochgeladen werden. Nach Angaben der Polizei laufen inzwischen viele Hinweise ein.

Zum Stand der Untersuchungen erklärte Fischer: "Allein die Tatortaufnahme wird viel Zeit in Anspruch nehmen." Und weiter: "Wir brauchen Zeit, die Spuren auszuwerten und die Ergebnisse der Ermittlungen zusammenzuführen." Auch am Sonntag sei deshalb mit Behinderungen in Münsters Innenstadt zu rechnen.

Keine Angaben machte die Polizei über Gerüchte, wonach zwei weitere Personen aus dem Transporter gesprungen und geflüchtet sein könnten.

Bereits am Samstagabend versammelten sich Bürger, um gemeinsam zu trauern. Im Paulus-Dom in Münster gibt es am Sonntagabend einen ökumenischen Gedenkgottesdienst, den Bischof Felix Genn leiten will.

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