Frankfurt/Main (dpa) - Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank berät heute Abend über die Zukunft des Vorstandsvorsitzenden John Cryan.

Es sei vorgesehen, noch am selben Tag eine Entscheidung in der Sache zu treffen, teilte die Deutsche Bank am späten Samstagabend mit. Ob eine Ablösung ansteht, war zunächst nicht bekannt.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner sucht dem Vernehmen nach bereits einen Nachfolger für Cryan. Allerdings würde sich Achleitner dann nach Ansicht von Beobachtern selbst beschädigen, da er den als Sanierer geschätzten ehemaligen UBS-Finanzchef selbst zur Deutschen Bank geholt hatte. Wer dem Briten an der Spitze des größten deutschen Geldhauses nachfolgen könnte, war bisher unklar. Medienberichten zufolge gibt es mehrere mögliche Kandidaten.

In seinen knapp drei Jahren an der Spitze des Geldhauses war es Cryan nicht gelungen, das schwächelnde Kapitalmarktgeschäft anzukurbeln. Drei Jahre in Folge schrieb die Bank tiefrote Zahlen. Doch noch vor Ostern hatte Cryan angedeutet, dass er bleiben will. Sein Vertrag läuft regulär bis 2020.

Zwar hat der Bankchef einen Teil der problematischen Themen inzwischen abgearbeitet, allen voran gefährliche Rechtsstreitigkeiten. Jedoch ist es ihm bislang nicht gelungen, das einst so gewinnträchtige Kapitalmarktgeschäft der Deutschen Bank auf Vordermann zu bringen. Kurz vor Ostern schockierte der Vorstand die Anleger sogar mit der Nachricht über deutlichen Gegenwind in der Sparte. Die Aktie hat seit Jahresbeginn erheblich an Wert verloren.