Berlin (dpa) - Die Berliner Polizei hat laut "Welt" am Sonntag einen Anschlag während des Halbmarathons in der Hauptstadt verhindert. Spezialkräfte sollen vier Männer festgenommen haben, darunter einen Hauptverdächtigen.

Er soll dem Blatt zufolge geplant haben, mit Messern Zuschauer und Teilnehmer der Sportveranstaltung zu töten. Nach dem Bericht gehört der Verdächtige zum privaten Umfeld des Terroristen Anis Amri, der den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt Ende 2016 verübt hatte.

Die Berliner Polizei bestätigte die Festnahme mehrerer Verdächtiger. Vor der Sportveranstaltung habe es "vereinzelte Hinweise darauf gegeben, dass die Festgenommenen im Alter von 18 bis 21 Jahren an der Vorbereitung eines Verbrechens im Zusammenhang mit dieser Veranstaltung beteiligt gewesen sein könnten", erklärte die Polizei am späten Sonntagnachmittag.

"Aufgrund dieser Hinweise und der noch nicht vollständig geklärten Hintergründe des gestrigen Attentats in Münster entschlossen sich die Generalstaatsanwaltschaft Berlin und das Landeskriminalamt Berlin zu den Durchsuchungen der entsprechenden Wohnanschriften sowie zwei Fahrzeugen in Charlottenburg-Wilmersorf und Neukölln", hieß es in der Mitteilung. Wegen der noch andauernden Ermittlungen könnten derzeit keine weiteren Informationen mitgeteilt werden.

Von einem Terrorverdacht war in der Polizei-Mitteilung zunächst nicht die Rede. Weiter teilte die Polizei mit, dass der Staatsschutz am Sonntag gemeinsam mit der Generalstaatsanwaltschaft Berlin Durchsuchungen im Stadtgebiet durchgeführt habe. Dabei seien 6 Personen festgenommen worden. Ob dazu die vier in der Nähe der Sportveranstaltung Festgenommenen gehörten, war zunächst unklar. Ein Polizeisprecher bestätigte auf Anfrage lediglich, dass es Festnahmen im Zusammenhang mit dem Halbmarathon gegeben habe. Das Verfahren liege bei der Staatsanwaltschaft.

Eine der jetzt durchsuchten Wohnungen in der City West war der "Welt" zufolge auch nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt Ende 2016 durchsucht worden. Im Keller der Wohnung eines mutmaßlichen Komplizen des am Sonntag überwältigten Hauptverdächtigen schlugen demnach speziell auf Sprengstoff trainierte Hunde an. Dazu zitiert die Zeitung einen "ranghohen Polizeiführer" mit den Worten: "Wir werten noch aus. Aber das war wahrscheinlich knapp."

Nach "Tagesspiegel"-Informationen war der Hauptverdächtige zuvor zwei Wochen dauerobserviert worden. Er sei den Behörden aus den Nachermittlungen zum Amri-Anschlag in Berlin bekannt gewesen, hieß es aus Sicherheitskreisen. Die Männer hätten in den vergangenen Wochen auffällig und auch nachts mehrere Stellen der Laufstrecke aufgesucht. Zuletzt gab es offenbar einen Hinweis durch einen ausländischen Geheimdienst, wonach der Mann einen Anschlag auf den Halbmarathon plane. Deshalb hätten die Sicherheitskräfte am Sonntag eingegriffen.

Nach dem tödlichen Zwischenfall in Münster hatte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Samstag angekündigt, dass die Polizei noch einmal die schon "extrem hohen Sicherheitsvorkehrungen" für den Halbmarathon am Sonntag überprüfen werde. Laut Polizei bestand keine konkrete Gefährdung. Sie wollte mit 630 Beamten im Einsatz sein, um die Strecke abzusperren und zu sichern.

Der Halbmarathon ging nach Angaben der Veranstalter ohne außergewöhnliche Vorfälle an der Strecke zu Ende. "Wir haben ein ganz normales Rennen durchgeführt", sagte ein Sprecher von SCC Events am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. "Von Teilnehmerseite ist alles gut gelaufen."