Busdorf (dpa) - Die Planen sind weg: Nach einer umfangreichen Sanierung öffnet das Ausstellungsgebäude des Wikinigermuseums Haithabu am Donnerstag nach eineinhalb Jahren wieder seine Pforten. Dann sollen erstmals auch einige der außergewöhnlichen Funde gezeigt werden, die bei der archäologischen Grabung auf einem Gräberfeld nahe der Wikingerhäuser im Sommer 2017 entdeckt wurden - darunter Goldschmuck aus einem Frauengrab.

Die archäologischen Grabungen konnten von Besuchern besichtigt werden - sozusagen als Kompensation für das geschlossene Museum. Die Idee ging auf: Die Besucherzahlen in Haithabu haben sich 2017 im Vergleich zu 2016 nur um rund 28 000 auf etwa 99 200 verringert.

Am Mittwoch feierte das Museum mit einem Festakt die Wiedereröffnung. "Wie kaum ein Ort in Europa präsentiert Haithabu die Wikingerkultur modern und vielseitig. Es zeigt eine archäologische Ausstellung, die höchste Ansprüche an Wissenschaftlichkeit und an die Museumspädagogik erfüllt und die Menschen faszinieren wird", sagte Schleswig-Holsteins Kulturministerin Karin Prien (CDU). Das Museum gehöre damit zweifellos zu den besten archäologischen Museen in Deutschland und im Ostseeraum.

Sie hob die besondere Bedeutung der Wiedereröffnung im Europäischen Kulturerbejahr hervor: "Das Jahr des kulturellen Erbes soll uns daran erinnern, dass Europa nicht etwas Fernes, Abgehobenes ist, sondern Teil unserer gemeinsamen europäischen Geschichte, auch ganz lokal bei uns zuhause und dafür ist Haithabu ein gutes Beispiel."

Das Gebäude des Museums wurde seit dem 11. November 2016 in einem aufwendigen Verfahren fast vollständig saniert. Das sei notwendig gewesen, um den Energieverbrauch des fast 30 Jahre alten Gebäudes deutlich zu reduzieren, teilte das Museum mit. Außerdem mussten tragende Holzstützen ausgetauscht werden, in die Feuchtigkeit und Schimmel gedrungen war. Die Statik war dadurch gefährdet.

Im Museum wird nun eigenen Angaben zufolge eine der modernsten archäologischen Ausstellungen Europas präsentiert. Originalfunde und innovative Vermittlungsmedien sollen die Besucher mit auf eine Reise in das frühstädtische Leben in der Wikingermetropole Haithabu vor 1000 Jahren nehmen.

Bis zuletzt war das Museum in schützende Planen eingedeckt, um auch während der Wintermonate arbeiten zu können. Von der fast vollständigen Entkernung, die während der Bauarbeiten stattgefunden hat, sollen die Besucher nichts merken. "Für alle Beteiligten stand bei allen Maßnahmen im Vordergrund, die einmalige und besondere Architektur des Museumsgebäudes zu erhalten", teilte das Museum weiter mit.

Hinter der Holzfassade und unter dem Dach sei aber kein Bereich unangetastet geblieben: 180 Holzstützen wurden instand gesetzt, mehr als 1000 Quadratmeter Wandfläche und rund 1650 Quadratmeter Dachfläche zusätzlich gedichtet und gedämmt. Insgesamt haben die Handwerker der verschiedenen Gewerke etwa 27 500 Arbeitsstunden geleistet. Die Kosten der von der EU, dem Land und der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf finanzierten Sanierung betragen rund 3,6 Millionen Euro.