Stockholm (dpa) - Wird es in diesem Jahr wegen der Skandale in der Jury vielleicht keinen Literaturnobelpreis geben? Die Schwedische Akademie will ihre Entscheidung in dieser Frage heute verkünden.

Das Gremium steckt in einer tiefen Krise, die nach eigener Aussage nicht nur das Vertrauen in die Akademie, sondern auch das Ansehen des Nobelpreises beschädigt hat. Die jahrhundertealte Kulturinstitution zog deshalb in Erwägung, in diesem Jahr keinen Preisträger zu küren - dafür aber 2019 möglicherweise gleich zwei.

Am Donnerstagabend hatte die Akademie ihre wöchentliche Sitzung. Am gleichen Tag saß man nach Angaben eines Mitglieds auch mit der Nobelstiftung zusammen, die die Preisgelder für alle fünf Nobelpreise verwaltet. Die Stiftung hätte die Macht, das Preisgeld zurückzuhalten, auch wenn die Schwedische Akademie einen Preisträger küren will.

Hintergrund ist ein Belästigungs- und Korruptionsskandal, in dessen Folge mehrere Jury-Mitglieder ihre Arbeit niederlegten. Zuletzt hatte sich auch Schwedens König Carl XVI. Gustaf eingeschaltet und die Mitglieder aufgefordert, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Er habe die Entwicklung in der Akademie "mit großer Unruhe verfolgt", erklärte der Monarch und Schirmherr der Kulturinstitution.

Die Akademie hatte zuletzt betont, die Vorbereitungen für den Nobelpreis würden von der Krise nicht gestört. "Wir liegen gut im Plan", sagte Jury-Mitglied Göran Malmqvist der Zeitung "Dagens Nyheter". Dennoch werde über eine Verschiebung gesprochen, sagten andere Mitglieder schwedischen Medien.

Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Nobelpreisvergabe um ein Jahr verschoben wird. In den Statuten der Nobelstiftung ist das allerdings vor allem für den Fall vorgesehen, dass kein angemessener Kandidat gefunden wird. "Wenn keine der in Betracht gezogenen Arbeiten die im ersten Absatz angegebene Bedeutung aufweist, ist das Preisgeld bis zum folgenden Jahr zu reservieren", heißt es in dem Regelwerk. Sieben Mal machte die Schwedische Akademie von dieser Möglichkeit in der Vergangenheit Gebrauch. Unter anderem bekam der Ire George Bernard Shaw ("Pygmalion") seinen Preis für 1925 erst im Jahr 1926.