Berlin (dpa) - Der Kabinettsbeschluss zum Familiennachzug von Flüchtlingen stößt bei verschiedenen Menschenrechtsorganisationen auf Ablehnung. Sie halten ihn für zu restriktiv. Er wird allerdings auch von den Landesinnenministern der Union kritisiert.

Deren Sprecher Lorenz Caffier lehnt es ab, reumütigen Gefährdern unter Umständen das Nachholen der engsten Familie zu erlauben.

Nach dem Gesetzentwurf, den das Kabinett am Mittwoch beschlossen hatte, sollen Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutzstatus ab August wieder Ehepartner und minderjährige Kinder nach Deutschland holen dürfen. Pro Monat dürfen aber maximal 1000 Angehörige einreisen.

Das internationale Kinderhilfswerk Terre des Hommes sieht das Wohl der betroffenen Kinder verletzt. Vorstandssprecher Albert Recknagel warnte, die Trennung von Familien werde so zementiert. «Familienleben ist aber nicht kontingentierbar - auch subsidiär Schutzberechtigte müssen mit ihren Familien zusammenleben können.»

Die Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl sieht weitreichende Einschnitte für Flüchtlinge und Angehörige. «Aus dem Grundrecht auf Familie wird ein Gnadenrecht des Staates», kritisierte Geschäftsführer Günter Burkhardt.

Caritas-Präsident Peter Neher befürchtet komplizierte Entscheidungsprozesse zu Lasten der Flüchtlinge: «Wir sind in Sorge, dass sich die Verfahren für die betroffenen Familien noch weiter verzögern und sich ihr Leid durch die inhumanen Familientrennungen noch verschlimmert.»

Der Sprecher der unionsgeführten Länder-Innenministerien, Caffier, kritisierte, dass das weiter bestehende Nachzugsverbot für Gefährder dann nicht gelten soll, wenn diese sich glaubhaft von ihrem früheren Handeln distanzieren.

Ausländische Gefährder gehörten abgeschoben, sagte der Ressortchef von Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin. Damit könne auch dessen Familie keine Zukunft in Deutschland haben. Die vom Kabinett beschlossene Regelung gefährde die Innere Sicherheit erheblich. Deutschland helfe Menschen in Not, sagte Caffier. Aber die Schutzpflicht des Staates für das Leben gelte auch für seine deutschen Bürger und die hier lebenden Familien.