München (dpa) - Der Elektrokonzern Siemens kämpft mit wachsenden Problemen in der Kraftwerkssparte und sieht sich in seinem massiven Sparkurs bestätigt.

Im zweiten Geschäftsquartal verschärfte sich die Krise der Sparte und überlagerte die gute Entwicklung in der Digitalisierungs- und in der Zugsparte des Konzerns. «Die Division Power and Gas, die für 15 Prozent unseres Umsatzes steht, agiert weiterhin in einem enorm wettbewerbsintensiven Markt», sagte Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas. Siemens will in der Sparte weltweit tausende Jobs kappen und hatte erst am Vortag die Einigung auf Eckpunkte für die Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan mit den Arbeitnehmervertretern bekanntgegeben.

Zwischen Januar und März drückte das kriselnde Kraftwerksgeschäft auf das Ergebnis im industriellen Kerngeschäft des Konzerns, das im Jahresvergleich um 8 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro schrumpfte. Unter dem Strich schnellte der Gewinn des Konzerns aber dank eines Buchwertgewinns um 39 Prozent auf gut 2 Milliarden Euro in die Höhe. Hintergrund ist, dass Siemens seinen Anteil am IT-Unternehmen Atos in seinen Pensionsfonds einbrachte.

Auch die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr (30. September) hob das Unternehmen an. Unter dem Strich peilt Siemens jetzt 6,5 bis 6,8 Milliarden Euro Gewinn an, statt wie bisher 6,1 bis 6,5 Milliarden Euro. An der Börse sorgte das für gute Stimmung: Am Morgen gewannen die Siemens-Aktien zeitweise mehr als vier Prozent und notierten bei mehr als 115 Euro.

Im zweiten Quartal blieb der Umsatz mit 20,1 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau, und der Auftragseingang ging um 2 Prozent auf 22,3 Milliarden Euro zurück. Dabei bekam Siemens auch starken Gegenwind durch Währungseffekte zu spüren.

In der Kraftwerkssparte schrumpften Auftragseingang und Umsatz zwischen Januar und März jeweils kräftig, und das Ergebnis brach um fast drei Viertel ein. «Diese Zahlen untermauern, dass wir unsere Kapazitäten anpassen müssen», sagte Lisa Davis, die im Siemens-Vorstand das Energiegeschäft verantwortet. Dagegen konnte Siemens vor allem im Digitalisierungsgeschäft kräftig zulegen: Hier kletterten Auftragseingang und Umsatz um jeweils rund ein Fünftel, und das Ergebnis legte sogar um 40 Prozent zu. Die Zugsparte profitierte von Großaufträgen, darunter für Hochgeschwindigkeitszüge in der Türkei. Insgesamt hätten sechs von acht Einheiten nicht nur teils beträchtlich beim Umsatz zugelegt, sondern seien auch bei den Renditezielen in der Spur gewesen, sagte Thomas.

Derweil müssten die Folgen des Ausstiegs der USA aus dem Atomabkommen mit Iran zunächst abgewartet werden. Klar sei, dass Siemens sich an alle regulatorischen Vorgaben halten werde, sagte Thomas. Zugleich werde man «Dinge, die wir begonnen haben, so das im rechtlichen Rahmen möglich ist, zu Ende bringen». Der Elektrokonzern hatte die Lizenzfertigung für Gasturbinen und Lokomotiven im Iran vereinbart, die auch angelaufen war. Auch eine Absichtserklärung zur Modernisierung der Bahn-Infrastruktur wurde unterzeichnet, weitere Großaufträge daraus erfolgten aber bisher nicht.